Among Us im Test: Im Weltraum sieht dich niemand morden

Spätestens seitdem »sus« zum Jugendwort des Jahres 2022 nominiert wurde, dürfte klar sein: Das ursprünglich schon 2018 veröffentlichte Among Us hat gesellschaftliche Spuren hinterlassen. Weniger bekannt als die ursprüngliche Mobile-Variante ist die PC-Version des Spiels, welche auf Steam vier Euro kostet. Diese habe ich mir für den heutigen Test angeschaut und bin zum Entschluss gekommen, dass die Entwickler hier mehr hätten herausholen können.

Die Definition von »low budget«

Was uns bei Among Us direkt ins Auge springt, ist der ungewöhnliche Grafikstil. Das Spiel setzt auf einen sehr minimalistischen Comiclook, der für manche Leute bestimmt charmant wirken mag, mir allerdings ziemlich billig vorkommt. Aber gut, wir reden hier ja immerhin über einen Mobile-Port, den wir für ’n Appel und ’n Ei bekommen. Auch die Musik und die sonstigen Soundeffekte sind sehr simpel gehalten und neigen dazu, auf Dauer zu nerven. Ich habe jeglichen Ton komplett abgestellt, da er das Spiel meiner Meinung nach nicht bereichert und ich mich ohne ihn besser konzentrieren konnte.

Wir spielen eine Gruppe von Astronauten, die auf einer der vier verfügbaren Karten mehrere Aufgaben erledigen müssen. Die vier Maps heißen konkret »The Skeld«, »Mira HQ«, »Polus« und »The Airship«. Im Serverbrowser können wir gezielt einzelne Maps filtern und sehen dabei: The Skeld wird mit Abstand am meisten gespielt, die anderen Karten werden von großen Teilen der Community fast komplett ignoriert. Dieser Umstand schadet dem Spiel, denn eine Karte wird mir auf Dauer zu repetitiv.

In diesem Minispiel, müssen wir das Schiff von Knotenpunkt zu Knotenpunkt ziehen. Der spielerische Anspruch geht gegen null.

Eine typische Runde läuft folgendermaßen ab: Vier bis 15 Spieler kommen in einer Lobby zusammen, wobei der Host löblicherweise noch viele Einstellungen vornehmen kann. Er kann beispielsweise festlegen, wie viele Verräter es gibt (minimal einen, maximal drei) oder wie lange die Abstimmunsdauer ausfällt – dazu später mehr. Nach einem kurzen Countdown beginnt die Runde und es wird ausgewählt, wer zu den Verrätern gehört. Die regulären Crewmitglieder wissen das natürlich nicht und gehen stattdessen ihren Aufgaben nach, die allesamt enorm anspruchslos sind. Wir müssen zum Beispiel Schalter umlegen oder die Zahlen in der Reihenfolge von eins bis zehn eingeben. Viele Aufgaben lassen sich mit einem einzigen Klick lösen. Natürlich sind diese Beschäftigungen nur ein Mittel zum Zweck, aber ich hätte mir dennoch etwas anspruchsvollere Rätsel gewünscht.

Dröge Chatrooms und gewiefte Betrüger

Die Verräter wiederum tun so, als gingen sie ihren Aufgaben nach, müssen aber stattdessen die Crewmitglieder eliminieren. Dabei gilt es, den Kill Cooldown (zum Beispiel 30 Sekunden) zu beachten, sie können also nicht jeden sofort umbringen. Das Töten eines anderen Spielers erfolgt mit einem Schlag und das Opfer kann sich auch nicht dagegen wehren – außer eben wegzurennen, sobald man ein mulmiges Gefühl hat. Wenn jemand gestorben ist, bleibt dessen Leiche zurück. Diese kann dann gefunden und gemeldet werden, wodurch sich das Spiel verschiebt: Wir landen nun in einem Chatroom und tauschen uns darüber aus, wer den Mord verübt haben könnte. Die Betrüger versuchen natürlich, von sich selbst abzulenken und anderen die Tat in die Schuhe zu schieben. Am Ende wird abgestimmt und derjenige mit den meisten Stimmen wird automatisch eliminiert. Dabei stellt sich dann auch heraus, ob es sich um einen Verräter gehandelt hat.

Im Chat diskutieren wir, wer ein Verräter sein könnte. Die Tunichtgute wollen hierbei anderen die Schuld in die Schuhe schieben.

Dieser Chatroom ist für mich die wohl größe Schwäche des Spiels. Nicht nur gibt es eine Besprechungsphase, sondern es existiert auch noch eine Abstimmungsphase. Zusammen können diese auch gut und gerne mehrere Minuten in Anspruch nehmen, was dem Spiel meiner Ansicht nach sehr viel von seiner Spannung nimmt und gerade anfangs, wo es ohnehin kaum Beweise für die Schuld eines Spielers gibt, ziemlich müßig ist.

Außerdem: Dass Among Us gar keinen Sprachchat anbietet, finde ich doch wirklich sehr schwach. Denn selbst wenn ich mit Freunden spiele – und das ist meiner Meinung nach die mit Abstand beste Art, das Spiel zu erleben – muss ich auf externe Programme wie Discord zurückgreifen. Immerhin können wir so den schwerfälligen Chat umgehen. Wenn man seine Mitspieler auch tatsächlich hören kann, steigt die Spannung enorm. Teilweise entstehen sehr lustige Situationen, wenn Leute, die schlechte Lügner sind (wie ich), schlussendlich ertappt werden. Wenn man jedoch alleine gegen fremde Menschen spielt, finde ich Among Us ausgesprochen langweilig.

Wie steht es mit den Mikrotransaktionen?

Am Ende jeder Runde erlangen wir Erfahrungspunkte und steigen damit im Rang auf. Außerdem existiert eine Spielwährung namens »Beans«, mit der wir im Shop neue Kleider für unseren Astronauten kaufen können. Natürlich gibt es aber auch eine Premium-Währung, genannt »Sterne«, mit der wir noch ausgefallenere kosmetische Gegenstände kaufen können. Das »Haustier-Bunde« kostet beispielsweise 30 Sterne, was einem Preis von drei Euro entspricht.

Among Us: Among Us macht zuweilen Spaß – vor allem auf Smartphones. Wer hingegen die PC-Version spielt, erkennt recht schnell, dass es diesem Titel an Substanz fehlt: Maps, Aufgaben, und der generelle Spielablauf sind ziemlich einfallslos und repetitiv. Kein Spiel, das ich für eine längere Zeit oder gar alleine spielen wollen würde, aber für den Preis von vier Euro ist es in Ordnung. modugames

5.5
von 10
2022-08-28T00:00:00+0200

Gespielte Version: 2022.7.12s – Plattform: Steam

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