Cube World im Test: Langeweile in Klötzchenform

Cube World ist ein Open-World-Rollenspiel, dessen Alpha bereits 2013 veröffentlicht wurde. Ich gehörte damals schon zu den Käufern des Spiels und hatte auch flüchtig Spaß damit, aber ich verfolgte die Entwicklung danach nicht weiter, denn: Es passierte nichts. Das Spiel galt als tot, nur um dann 2019 in der »Vollversion« (stellt euch hier besonders große Anführungszeichen vor) veröffentlicht zu werden. Die meisten Magazine interessierten sich zu diesem Zeitpunkt schon nicht mehr für das Spiel und die wenigen Tests fielen negativ aus. Die Kollegen von der GameStar vergaben beispielsweise nur 48 Punkte. Uff.

Da ich über eine morbide Faszination für schlechte Spiele verfüge, wollte ich nun einige Jahre später herausfinden, wie mies die Release-Version von Cube World denn nun genau ist. Insofern: Folgt mir bitte in die kunterbunte Welt eines Spiels mit vielen Ecken und Kanten – im wortwörtlichen wie auch im metaphorischen Sinne.

Auf ins Abenteuer!

Wir starten mit der Erstellung unserer Spielfigur. Uns stehen acht Rassen (Menschen, Elfen und dergleichen) zur Auswahl, welche jedoch nur optischer Natur sind und sich spielerisch nicht auswirken, soweit ich das beurteilen kann. Außerdem müssen wir uns für eine der vier Klassen entscheiden: Der Krieger teilt im Nahkampf mit schweren Waffen mächtig aus, der Magier wirkt Zaubersprüche, der Bogenschütze bevorzugt den Fernkampf und der Schurke greift zu schnellen, flinken Klingen. Ich habe mich für einen Zwergen-Kreiger à la Gimli entschieden und wurde daraufhin in die Welt entlassen.

Auf der Karte werden spannende Orte hervorgehoben. Die Laufwege fallen jedoch teils extrem lang aus.

In Cube World besteht alles aus kleinen Klötzchen, Voxel-Technologie sei’s gedankt. Der Einfluss von Minecraft ist hier nur schwer zu übersehen. Ich bin kein übermäßig großer Fan dieses Grafikstils, auch nicht in meinem geliebten Minecraft (im Test: Wertung 9.0), aber dort ist er immerhin ein integraler Teil der Spielmechanik. Cube World hätte mir mit einem Zelda-Grafikstil vermutlich besser gefallen, aber ich schweife ab. Letzendlich sieht Cube World passabel aus und durch die unterschiedlichen Biome – Wälder, Wüsten, Schneegebiete etc. – kommt zumindest etwas optische Abwechslung ins Spiel.

Ziellos in der Klötzchenwelt

Das Problem an der Sache: Es gibt kein Tutorial und keine Geschichte. Ich wusste anfangs überhaupt nicht, was ich tun sollte. Ich griff also wahrlos Gegner an, die allesamt viel zu stark für mich waren. Was das Kampfsystem angeht: Mein Zwerg kann einen regulären leichten Angriff ausführen, mit seinem Schild blocken, eine Ausweichrolle vollführen und außerdem ein paar Spezialfähigkeiten auslösen. Das gewinnt keine Genialitätspreise, funktioniert aber prinzipiell in Ordnung. Leider ist das Trefferfeedback schlecht, was vor allem bei Gegnern, die uns in wenigen Schlägen aus den Latschen hauen, sehr problematisch sein kann. Wenn wir sterben, steigen wir bei einem Schrein wieder ein. Diese finden wir alle paar hundert Meter in der Spielwelt und können sie auch als Schnellreisepunkte verwenden. Beim Tod verlieren wir zwar keine Items, müssen aber potenziell lange Laufwege in Kauf nehmen.

Keine Macht den Alpacas! Alle Tiere in Cube World können und werden sich gegen meinen Zwergenkrieger verteidigen.

Generell verbringen wir in Cube World sehr viel Zeit damit, einfach nur durch die Gegend zu rennen. Nach einer Stunde musste ich die Sounds im Optionsmenü abschalten, weil mir die Laufgeräusche ziemlich stark auf den Wecker gegangen sind. Es gibt zwar einige Sehenswürdigkeiten wie beispielweise verlassene Lager zu erkunden, allerdings liegen diese arg weit auseinander. Für eine kurze Zeit ist es jedoch unterhaltsam zu sehen, wie die Namen von interessanten Orten auf unserer Karte eingezeichnet werden. Ab und an treffen wir auch auf Abenteurer-NPCs, die uns ein paar Tipps wie die Position eines Bossgegners mit auf den Weg geben. Das sind quasi die »Quests« (auch hier wieder: sehr große Anführungszeichen) des Spiels. Die Gespräche laufen in schmucklosen Textfenstern – und ausschließlich auf Englisch – ab. Die Schreibe ist hierbei auf dem Niveau eines Erstklässlers und es bleiben uns auch keine Figuren im Gedächtnis.

Wo ist der Inhalt?

Wir können außerdem Dörfer entdecken, in denen wir unter anderem Schmieden vorfinden. Waren wir in einer Höhle und haben dort Eisen mitgehen lassen, können wir in einer solchen Schmiede neue Rüstungsteile herstellen. Danach kommt aber nicht mehr viel. Im Startmenü wird mir zwar angezeigt, dass meine Spielfigur auf Level 1 sei. Ich sehe im Spiel aber keinen Charakterbogen oder auch nur Erfahrungspunkte. Wie soll ich also meinen Helden aufleveln? Ist das noch ein Überbleibsel aus der Alpha, das nie entfernt wurde? Letzteres würde Sinn machen, denn ich selbst erinnere mich zwar nur noch dunkel an die Alpha, allerdings konnte ich im Zuge meiner Recherche herausfinden, dass die früheren Versionen des Spiels in der Tat umfangreicher waren als die Verkaufsversion.

Im Schmiedeofen können wir Eisenwürfel herstellen, die wir für Rüstungen brauchen.

Cube World bietet nur sehr, sehr wenig Inhalt. Durch das Fehlen von Hilfestellungen jedweder Art werden wir auch nicht auf etwaige spannende Mechaniken hingewiesen, die wir vielleicht übersehen haben. Schon nach anderthalb bis zwei Stunden Spielzeit war mir die Motivation ausgegangen, mein Abenteuer fortzusetzen. Um ehrlich zu sein, habe ich mit mir gehadert, ob dieser Text nicht besser in meinem »Ersteindruck«-Format aufgehoben wäre, weil ich eben wirklich nicht viel Zeit ins Spiel gesteckt habe. Gleichzeitig kommt es mir jetzt aber schon so vor, dass ich die Essenz von Cube World begriffen habe, und möchte nun einen Strich darunter ziehen. Es gibt übrigens auch einen Mehrspielermodus – zumindest existiert im Menü eine Option, meine Steam-Freunde einzuladen –, allerdings sehe ich keinen Grund, warum ich jemandem zum Kauf dieses Spiels raten sollte. Es gibt so viel Besseres auf dem Markt.

Cube World: Cube World ist nicht vollkommen frei von spannenden Ansätzen, allerdings fehlt es dem Spiel in jeglicher Hinsicht an Inhalt und Tiefgang: Es gibt keine Geschichte, kein Tutorial, keinen Fähigkeitenbaum et cetera pp. Nach wenigen Stunden hatte ich bereits das Gefühl, alles Relevante gesehen zu haben, und langweilte mich nur noch. Finger weg! modugames

3.5
von 10
2022-06-24T00:00:00+0200

Infokasten

Gespielte Version: 1.0.0-1 – Plattform: Steam

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