Landwirtschafts-Simulator 2008 – Sehr schwacher Anfang | Kritik

Warum um alles in der Welt sollte man heutzutage noch den Landwirtschafts-Simulator 2008 besprechen? Ganz einfach: Der LS 2008 war eines meiner ersten Spiele überhaupt. Ich mag es einfach, den Spielen meiner Kindheit erneut einen Besuch abzustatten, und zu überprüfen, zu welchem Grad sich meine Erinnerungen an ein Spiel noch mit der Realität decken. Und Junge, Junge: Im Falle des Landwirtschafts-Simulators 2008 hat mich die Naivität der Jugend aber wirklich enorm von dessen unzähligen Gamedesign-Fehlern abgelenkt. Das Spiel ist aus heutiger Sicht wirklich schlecht. Aber alles der Reihe nach.

Die zwei Spielmodi

Im Hauptmenü werden wir mit den zwei verfügbaren Spielmodi konfrontiert: »Missionen« und »Freies Spiel«. Widmen wir uns zuerst den Missionen, damit wir sie aus dem Weg haben. Hierbei handelt es sich um zeitbasierte Herausforderungen, in denen wir drei Medaillen – Bronze, Silber und Gold – erreichen können. Hier müssen wir beispielsweise unseren Traktor durch einen Hindernisparkour Manövrieren oder Getreidelieferungen zum nahegelegenen Hafen bringen. Diese Missionen sind zwar keine Folter, aber für mich komplett uninteressant.

In dieser Mission müssen wir ein Rennen absolvieren – mit einem Mähdrescher.

Wendem wir uns also nun dem Kern des Landwirtschafts-Simulators zu: dem freien Spiel. Hier spawnen wir auf einem Bauernhof, den wir fortan verwalten. Direkt fällt auf, dass wir weder springen noch sprinten können, wodurch sich die Fortbewegung extrem zäh gestaltet. Ich klemme mich hinter das Steuer eines meiner Traktoren und stelle fest, dass ich wohl ein Geist bin. In der Außenansicht meiner Zugmaschine stellt sich nämlich heraus, dass meine Spielfigur gar keinen Körper besitzt! Wir können dem natürlich zu einem gewissen Grad entgegenwirken, indem wir die Cockpitansicht verwenden, aber auch da dreht sich das Lenkrad wie von Geisterhand.

Äußerst schwache Präsentation

Auch ansonsten macht das Spiel grafisch keine gute Figur. Es wäre natürlich unrealistisch, hier das nächste Crysis zu erwarten, aber die Präsentation ist sogar nach den Maßstäben des Jahres 2008 schlecht. Die Modelle der Fahrzeuge wirken klobig und weisen kaum Details auf. Teilweise sieht aus so aus, als hätten die Entwickler vergessen, die Modelle mit Texturen zu versehen. Das Sounddesign ist ebenfalls furchtbar: Die Geräusche der Traktoren gingen mir bereits nach wenigen Minuten massiv auf den Geist und es gibt keinerlei musikalische Untermalung.

Mit einem Grubber bereiten wir Felder für die Aussaat vor.

Nachdem ich den Grafik-Shock überwunden hatte, machte ich mich an die Inspektion meines Fuhrparks. Es existieren insgesamt drei Traktoren und zwei Mähdrescher, allesamt Modelle von Fendt. Zwei der Traktoren sind hierbei bis auf ihre Lackierung identisch, was ich schon sehr schwach finde. Wir können komfortabel zwischen den Traktoren und den beiden Mähdreschern hin und her teleportieren, indem wir die Tabulatortaste betätigen. Das war’s dann aber quasi schon mit Komfortfunktionen. Okay, wir haben im Hauptmenü auch noch die Möglichkeit, den Fuhrpark auf seine Anfangsposition zurückzusetzen, wenn wir unsere Geräte irgendwo eingeklemmt haben. Das ist auch bitter nötig, denn dank der bescheidenen Fahrphysik passieren Malheure durchaus oft. Aber ansonsten gibt sich der LS 2008 relativ wenig Mühe, dem Spieler Arbeit abzunehmen.

Langweiliger Arbeitsalltag

Das habe ich vor allem dann bemerkt, als ich angefangen habe, mit meinem Drescher ein nahelegenes Feld abzuernten. Wo wir in späteren Landwirtschafts-Simulatoren einen KI-Helfer einstellen können, müssen wir hier wirklich jede Arbeit selbst ausführen. Das Dreschen ist hierbei noch das spaßigste Element des Spiels und auf seine eigene Weise sogar recht entspannend, wird aber irgendwann auch langweilig. Wenn der Korntank meiner Erntemaschine voll ist, muss ich in einen meiner Traktoren steigen und mit einem Anhänger an den Mähdrescher fahren. Die Ernte kann ich dann beim Hafen verkaufen, was mir Geld einbringt. Ich könnte das Korn zwar alternativ auch beim Bauernhof zwischenlagern, aber mir hat sich nicht erschlossen, warum ich das tun sollte.

Das Geld brauchen wir wiederum, um unsere Tankkosten zu decken. Die Fahrzeuge brauchen nämlich Treibstoff und auch durchaus nicht wenig davon, aber damit ist der Zweck der Währung auch schon erfüllt. Einen richtigen Wirtschaftsteil und die Möglichkeit, neue Maschinen zu erwerben, gibt es nicht. Folglich existiert auch kein wirkliches Spielziel, außer unseren Kontostand immer weiter in die Höhe zu treiben. Das reicht mir aber nicht als Motivation.

Das Abernten der Felder mit einem unserer zwei Mähdrescher ist noch der spaßigste Aspekt des Spiels.

Was gibt’s sonst noch zu tun? Wer seine Felder abgeerntet hat, muss sie danach entweder grubbern oder plügen. Ersteres scheint mir deutlich effektiver, da der Grubber wesentlich breiter ist als der Pflug und daher deutlich mehr Fläche in derselben Zeit bearbeiten kann. Wenn der Pflug einen Vorteil hat, dann kommuniziert ihn das Spiel zumindest nicht. Danach ist das Feld für die Aussaat vorbereitet. Hier zeigt sich wiederum, dass nur eine Getreideart geboten wird: Weizen, wenn ich mich nicht irre, aber die Textur macht mir die Identifikation nicht leicht. Nach der Aussaat können wir noch optional mit einer Spritze düngen – danach folgt wieder die Ernte.

Wenig los in der Spielwelt

Davon einmal abgesehen bietet das Spiel noch eine andere Art des Gelderwerbs. Wir können kann mit einem Mähwerk und einem Ladewagen auch Gras aufsammeln und dieses dann direkt am Bauernhof verkaufen. Dieser Ablauf ist allerdings noch simpler als die Getreideernte und spielt sich noch unbefriedigender. Jetzt sind wir aber wirklich an dem Punkt, wo das Spiel nichts Neues mehr auffahren kann. Es gibt keinen Mehrspielermodus und die Ernte-Routine sagt mir nicht zu, also beginne ich damit, die Spielwelt zu erkunden.

Die Texturen der Häuser im Dorf sollte man sich nicht allzu genau anschauen.

Der Landwirtschafts-Simulator 2008 bietet nur eine Karte. Die Insel, auf der wir unterwegs sind, ist durchaus recht groß. Leider sind die einzelnen Felder geradezu absurd riesig, wodurch sich hier bei Feldarbeiten oft Langeweile einstellt. Die Insel ist aber auch schlicht und ergreifend ziemlich tot. Es gibt zwar ein Dorf, aber da rührt sich keine Menschenseele – keine Autos, keine Fußgänger, gar nichts. Die einzigen nicht-statischen Objekte sind einige Schiffe, die wir zuweilen am Horizont vorbeischippern sehen.

Bei meiner Erkundungstour zeigen sich erneut die Limitationen der Grafik. Die unmittelbare Umgebung sieht noch halbwegs annehmbar aus, aber bereits nach wenigen Metern verliert das Gelände jegliche Details. Und von den Texturen der Häuser im Dorf will ich gar nicht erst fanfangen. Eine Sache muss ich jedoch positiv herausstellen: Das Spiel hat einen dynamischen Wetter- sowie Tag und Nacht-Wechsel. Das wirkt sich auch auf das Gameplay aus, bei Regen können wir beispielsweise nicht ernten. Das war es dann aber auch schon mit den positiven Aspekten des Spiels.

Fazit

Das grundsätzliche Spielkonzept ist interessant, die Umsetzung jedoch katastrophal schlecht. Es gibt keinen Mehrspielermodus, die Fahrphysik ist mies, die Spielwelt tot und der Wirtschaftspart quasi nicht existent. Positive Aspekte halten sich hingegen arg in Grenzen. Nicht das schlechteste Spiel, das ich je gespielt habe, aber auch nicht weit davon entfernt.

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