Landwirtschafts-Simulator 2009 – Besser, aber immer noch nicht gut | Kritik

Mein Streifzug durch die Geschichte von Deutschlands beliebtester Berufssimulation geht weiter. Nachdem ich vor Kurzem bereits den Landwirtschafts-Simulator 2008 besprochen habe, wollen wir uns nun dessen direktem Nachfolger widmen, dem – wer hätte es gedacht – Landwirtschafts-Simulator 2009. Das Spiel wurde am 30. März 2009 veröffentlicht wurde und damit nicht einmal zwölf Monate nach dem ersten Teil.

Noch ein paar Worte zum Gegenstand dieser Rezension: Es existiert eine Gold Edition des Spiels, die ich jedoch nie besessen habe. Das Spiel ist allerdings – wie sein Vorgänger auch – nicht auf Steam erhältlich und ich möchte keine zweite physische Kopie ordern, daher kann ich leider nur die langweilige Standard-Edition besprechen. Aber auch zu dieser habe ich einiges zu erzählen, darum lässt uns direkt in medias res gehen.

Bescheidene Anfänge

Beginnen wir erneut im Hauptmenü, wo wir mit denselben Optionen konfrontiert werden wie im Vorgänger. In den »Missionen« müssen wir erneut zeitbasierte Herausforderungen abschließen und werden dafür mit Medaillen belohnt. Das ist nach wie vor ziemlich langweilig und höchstens noch als Tutorial zu gebrauchen. Es gibt immer noch keinen Multiplayer, also wenden wir uns dem »Karriere«-Modus zu. Neu ist, dass wir uns vor Spielbeginn zwischen den drei klassischen Schwierigkeitsgraden »leicht«, »mittel« und »schwer« hat, die sich auf die Preise auswirken. Dazu später noch mehr.

Unsere anfängliche Landmaschinen-Flotte ist noch sehr überschaubar.

Nachdem ich meine niegelnagelneue Welt betreten habe, untersuche ich zuerst, ob wir in diesem Serienteil endlich sprinten und springen können. Ersteres ist nun in der Tat möglich, letzteres nach wie vor keine Option. Das ist weiterhin schade, aber immerhin wirkt das Spiel nun nicht mehr ganz so behäbig. Wer sich in der Spielwelt umschaut, wird auf »i«-Zeichen stoßen, die Hinweise darüber geben, wie man seinen Betrieb am besten führt – ein ganz nettes Feature. Der Hof selbst … macht hingegen keinen sonderlich guten Eindruck: Wo wir im Vorgänger noch alle Fahrzeuge bereits zu Beginn des Spiels besaßen, starten wir im Landwirtschafts-Simulator 2008 mit deutlich bescheideneren Mitteln. Wir besitzen nichts außer einem rostigen Traktor, einem genauso rostigen Mähdrescher und einigen kleinen Geräten – das absolute Minimum an Ausrüstung.

Der LS wird komplexer

Die große Neuerung dieses Teils ist nämlich, dass es ein »richtiges« Wirtschaftssystem gibt. Dies schließt mit ein, dass wir uns neue Maschinen kaufen können. Ich kann gar nicht genug betonen, wie viel das Spiel durch diese Änderung profitiert! Es gibt nun endlich ein Ziel, auf das es sich lohnt hinzuarbeiten – im Vorgänger konnten wir lediglich unserem Kontostand beim Wachsen zuschauen. Der Fuhrpark wurde ebenfalls deutlich ausgebaut, so gibt es insgesamt sieben Traktoren und vier Mähdrescher, jeweils doppelt so viele wie im Landwirtschafts-Simulator 2008. Wir können uns jedes Modell hierbei auch theoretisch mehrfach zulegen und bereits erworbenene Maschinen zum halben Preis auch wieder verkaufen, wenn wir Geld für bessere Maschinen brauchen. Unterm Strich ein motivierendes System, auch wenn die Nachfolger hier natürlich deutlich mehr in die Tiefe gehen. Auf dem leichten Schwierigkeitsgrad hatte ich bereits nach fünf Spielstunden die bestmöglichen Maschinen erworben.

Beim Händler legen wir uns neue Gerätschaften zu beziehungsweise verkaufen alte.

Doch auch an anderer Stelle dreht der Landwirtschafts-Simulator 2009 gehörig auf: Wo es im Vorgänger nur eine einzige Getreidesorte gab, haben wir es nun mit vier zu tun: Weizen, Gerste, Raps und Mais. Die ersten beiden haben die Besonderheit, dass sie zusätzlich zum Korn auch noch Stroh produzieren (dazu später mehr). Für die Maisernte brauchen wir wiederum ein besonderes Schneidwerk. Der Clou hierbei ist, dass es nun drei Verkaufsmöglichkeiten (statt nur einer im Vorgänger) gibt: den Hafen, die Brauerei und die Mühle, die allesamt unterschiedlich viel für die Lieferungen bezahlen. Die Getreidepreise variieren je nach Art und ändern sich außerdem täglich. Das ist eine interessante strategische Komponente, da man den Verkauf der Ernte zum Teil verschieben muss, wenn die Preise gerade nicht günstig sind.

Felderfahrungen

Doch genug von der Theorie, wie spielt sich das in der Praxis? Nun, als ich anfing, mit meinem Mähdrescher die bereits reifen Felder abzuernten, fielen mir ein paar Dinge auf. Erstens: Die grafische Qualität wurde verbessert. Klar, die Präsentation ist von damaligen Toptiteln immer noch meilenweit entfernt, aber die Optik ist nicht mehr so eklatant schlecht wie im Vorgänger. Vor allem die Fahrzeugmodelle sehen ganz ordentlich aus, dafür haben mir die Geländedetails wieder Bauchschmerzen bereitet. Außerdem besitzt unsere Spielfigur nun einen Körper, den wir in der Außenansicht bestaunen können. Die Figur ist zwar nicht animiert und in der Ego-Sicht spielen wir immer noch einen Geist, aber die Entwickler sind auf dem richtigen Weg.

Tätigkeiten wie das Grubbern leiden besonders unter der schlechten Fahrphysik.

Viel wichtiger ist hingegen eine andere Erkenntnis: Die Fahrphysik ist ziemlich grausig. Mein Drescher rutscht geradezu über den Boden, von Traktion keine Spur. Beim Abernten der Felder ist das tatsächlich nur halb so schlimm, aber wenn man grubbert oder pflügt und man sich lediglich in Schlangenlinien fortbewegen kann, ist das furchtbar unbefriedigend. Ich erwarte in einer Simulation über Landwirtschaft ein halbwegs nachvollziehbares Fahrverhalten.

Das Problem mit dem Stroh

Als ich dann also am Ernten war, konnte ich die Stroh-Mechanik ausprobieren. Der Drescher lässt bei den bereits angesprochen Getreidearten Stroh liegen, das wir mithilfe einer Ballenpresse verarbeiten können. Gesagt, getan, ich habe mir das Teil gekauft. Die Quaderballenpresse zu fahren, macht Spaß. Was danach kommt, löst hingegen deutlich weniger Freude aus. Wir müssen diese Ballen nämlich auf ein Förderband hieven, das wir auf unserem Bauernhof vorfinden. Dafür benötigen wir den Fendt 614, denn dieser ist der einzige Traktor im Spiel, der mit einem Frontlader ausgerüstet ist. Besagter Frontlader verfügt leider noch nicht über Maussteuerung, sondern muss mit den Tasten J, N, K und M bedient werden, was einfach nur unnötig umständlich ist. Und dann noch dieses Förderband, das mindestens zwei Drittel der Ballen wieder abwirft! Furchtbar!

Wer dieses Förderbahn konzipiert hat, muss die Menschheit schon sehr hassen.

Es gibt übrigens einen Ballenwagen, allerdings müssen die kleinen Quaderpakete manuell auf diesem platziert werden. Dummerweise fehlt beim Rangieren der Ballen jegliches Gefühl für deren Gewicht, teilweise setzt die Physik einfach komplett aus. Der Landwirtschafts-Simulator hat auch in diesem Serienteil ein riesiges Problem damit, das Gewicht der gewaltigen Maschinen glaubhaft darzustellen.

Halbherzig umgesetzte Features

Es gibt noch einige andere Aspekte des Spiels, die ebenfalls gut gemeint, aber nicht gut gemacht sind. Einer davon ist die sogenannte Helferfunktion. Aktiviert man diese, übernimmt eine KI gegen einen geringen Lohn die Kontrolle über ein bestimmtes Fahrzeug und führt dann simple Tätigkeiten wie das Grubbern von Feldern aus. Zumindest in der Theorie, denn der Computer hat absolut keine Ahnung, was man von ihm will. Er weiß nicht, wo Felder enden und fährt dann meilenweit in die Walachei hinein. Oder er bleibt irgendwo zufällig stehen. Wie gesagt: Ein gut gemeintes Feature, aber hier muss noch nachgebessert werden.

Das Mähen von Gras spielt nach wie vor nur eine untergeordnete Rolle.

Das Mähen von Gras wurde hingegen nur minimal ausgebaut. Erneut sammeln wir das Gras mit einem Ladewagen ein und laden die Erzeugnisse beim Bauernhof ab, nachdem wir die Wiese mit Mähwerken bearbeitet haben. Das bringt etwas Geld ein, ist aber extrem unbefriedigend. Tierzucht suchen wir in diesem Teil übrigens immer noch vergebens. Wir können das Gras auch zu Ballen pressen, aber warum das keine gute Idee ist, habe ich ja schon weiter oben erläutert.

Die Erkundungstour zum Schluss

Damit wäre der Bauernalltag soweit abgearbeitet, also wird es wieder Zeit, mich auf eine Erkundungstour zu begeben. Der Landwirtschafts-Simulator 2009 spielt auf derselben Karte wie auch schon sein Vorgänger, glücklicherweise jedoch in einer stark überarbeiteten Variante. Wichtig ist vor allem der Händler, von dem wir unsere neu erstandenen Gerätschaften abholen müssen. Alle modernen Traktoren und Mähdrescher sind nach wie vor Modelle von Fend. Es wurde ein Versuch unternommen, die Spielwelt interaktiver zu machen, indem die Entwickler 100 Flaschen in der Welt verteilt haben, die wir bei Containern abgeben kann. Das steigert unser Ansehen bei den Bewohnern jeweils um einen Prozentpunkt pro Flasche, was wir im PDA einsehen kann.

Bei der Fendt-Station holen wir unseren nagelneuen Traktor in Sonderfarben ab.

Dabei handelt es sich um eine Art Tablet, das allerlei interessante Informationen wie etwa das Wetter der nächsten Tage oder die Getreidepreise anzeigt. Ich verstehe zwar nicht, warum die Reputation eines Landwirts derart stark davon abhängen sollte, dass er den Müll anderer Leute beseitigt, aber vielleicht liegt den Entwicklern von Giants Software ja auch einfach nur viel am Umweltschutz. Die Welt wird außerdem dadurch lebendiger, dass auf den Straßen nun Autos fahren. Für Fußgänger im Dorf hat es nicht gereicht, aber man nimmt ja, was man kriegen kann. Besagte Autos kommen übrigens gerne vom Weg ab und fahren durch die Felder oder bleiben an irgendwelchen Laternen hängen – das sorgt für einige so von den Entwicklern bestimmt nicht intendierte Lacher.

Fazit

Der LS 09 ist eine klare Verbesserung: Der Wirtschaftsteil ist motivierender, das Gameplay abwechslungsreicher und die Insel wirkt lebendiger. Leider existiert in jeder Hinsicht noch viel Luft nach oben, ganz abgesehen von all den Dingen, die noch fehlen: Tierzucht, eine einigermaßen akzeptable Fahrphysik, Mehrspieler-Unterstützung et cetera pp.

Plattform: DVD

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