Limbo im Test: Eine andere Sicht auf den Puzzle-Klassiker

Erdrückende, schwarz-weiße Farben überziehen unseren Bildschirm. Als kleiner Junge erwacht wir in einem gespenstischen Wald und beginnen damit, unsere Umgebung zu erkunden. Was folgt, ist eine sehr melancholische und atmosphärische Reise, die dem ursprünglich 2010 für die Xbox 360 veröffentlichen Puzzlespiel Limbo zum Kultstatus verholfen hat.

Kreative 2D-Rätsel

Bei Limbo handelt es sich um einen 2D-Platformer. Wir bewegen uns mit den Pfeiltasten und verwenden außerdem »Strg«, um beispielweise Gegenstände zu ziehen oder Schalter zu betätigen – mehr Tasten werden nicht benötigt. Trotz der sehr minimalistischen Aktionen, die wir im Spiel ausführen, werden die Rätsel durchaus noch komplex. Limbo ist in 39 sehr kurze Kapitel unterteilt, die jeweils ein Hindernis beinhalten, das es zu bewältigen gilt. Meistens handelt es sich hierbei um Physikpuzzle, so müssen wir etwa oft im richtigen Moment Schilder betätigen, die die Schwerkraft umkehren. An anderen Stellen müssen wir mithilfe von Kisten über heranrasende Kreissägen springen oder Druckplatten umgehen, die gefährliche Fallen auslösen.


Hier sehen wir die Limbo-Version der berühmten Szene aus »Jäger des verlorenen Schatzes«. Von dieser Kugel sollten wir uns besser nicht erwischen lassen.

Die Rätsel gestalten sich als durchaus anspruchsvoll: Sie benötigen präzises Timing und/oder eine gehörige Portion kreatives Denken. Ich selbst musste des Öfteren auf YouTube-Walkthroughs ausweichen, nur um dann zu sehen, dass die Lösung des Problems im Grunde recht logisch war. Die Rätsel in Limbo sind meines Erachtens ziemlich fair und auch in Sachen Logik nicht so weit hergeholt wie bei vielen Genre-Kollegen. Wenn wir allerdings scheitern, endet dies meist in einem brutalen Tod unserer Spielfigur. Hier ist alles dabei: Aufgespießt werden, zu Tode stürzen, von Kugeln durchsiebt werden etc. pp. Zum Glück werden wir dann am Anfang des Rätsels wiederbelebt, eine Maximalanzahl an Versuchen gibt es zum Glück nicht.

Eine kompromisslose Welt

Gerade die brutalen Bildschirmtode haben mich anfangs erstaunt, da das Spiel auf den ersten Blick recht unschuldig wirkt. Limbo ist komplett in schwarz-weiß gehalten, zusätzlich wird ein Effekt verwendet, der den Eindruck erzeugt, als spielte man auf einem alten Bildschirm. Selbst unsere Spielfigur ist mit Ausnahme der weiß glühenden Augen lediglich eine schwarze Silhouette. Ob euch das gefällt, hängt von eurem persönlichen Geschmack ab – ich persönlich fand, dass sich der Grafikstil nach ein paar Stunden abgenutzt hat. Auf der anderen Seite ist die Optik essenziell, um die düstere Atmosphäre von Limbo aufrecht zu erhalten: Versagen führt zum Tod, niemand möchte dem kleinen Jungen helfen, die ganze Welt arbeitet gegen ihn. Dazu kommt noch, dass auch die Musik und das generelle Sounddesign ebenfalls nur das absolut Nötigste auffahren. Dadurch wirkt das Spiel sehr leer, aber auf eine höchst atmosphärische, zutiefst melancholische Art.


Unsere Spielfigur kann nicht schwimmen und braucht daher ein Boot, um tiefe Gewässer zu überqueren.

Viel mehr bietet Limbo aber leider auch nicht. Es gibt keine Geschichte im eigentlichen Sinn: Wir laufen einfach immer weiter nach rechts und hoffen, irgendwann eine freundliche Gestalt zu treffen. Das Ende des Spiels kam schon nach drei Stunden und war für meinen Geschmack etwas zu abrupt. Wenn ihr gerne interpretiert, werdet ihr hier aber eure Freude haben. Vorbildlich: Wir dürfen alle Kapitel einzeln laden.

Limbo: Ich kann einige der Qualitäten von Limbo problemlos anerkennen, gerade im Hinblick auf das Rätseldesign und die ungewöhnliche Atmosphäre. Gleichzeitig ist mir die bestenfalls kryptische Handlung viel zu dünn und der Schwarz-Weiß-Grafikstil wird mir auf Dauer zu eintönig. Ein leicht überdurchschnittliches Spiel, aber ich sehe die Brillanz nicht. modugames

6.5
von 10
2022-07-24T00:00:00+0200

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