Max Payne – Action-Klassiker mit Technikproblemen | Kritik

Zwei Jahre nachdem »Matrix« die bullet time popularisiert hatte, erschien im Juli 2001 mit Max Payne ein Actionspiel, welches genau auf dieses Konzept setzte. Doch nicht nur wegen der Zeitlupen-Schießereien, sondern auch wegen seiner emotionalen Geschichte rund um den namensgebenden Ex-Polizisten wurde das Spiel zum Klassiker. Ich hatte Max Payne bis vor Kurzem nie durchgespielt und habe mich nun endlich wieder an das Spiel herangewagt.

Ein paar Worte zur Technik

Bevor wir aber uns dem Spiel selbst widmen, müssen wir die Technik besprechen. Ich hätte mir Max Payne sehr gerne auf Steam gekauft, allerdings scheint das Spiel dort zumindest in Deutschland nicht verfügbar zu sein. Also habe ich für diesen Test meine alte DVD verwendet. Behaltet also bitte im Hinterkopf, dass sich wahrscheinlich nicht alles, was ich gleich zur Technik des Spiels sagen werde, auf etwaige digitale Versionen übertragen lässt.

Die Schießereien leiden besonders unter den Lags.

Direkt im Startmenü wurde ich schon mit starken Lags konfrontiert. Diese ließen sich aber noch ziemlich simpel durch das Abschalten der Kantenglättung beheben. Danach wurde es allerdings schon kniffliger: Alle Zwischensequenzen im Spiel waren komplett stumm. Diese Soundprobleme konnte ich nur durch die Installation eines Community-Fixes beheben. Aber auch mit dem Fix lief immer noch nicht alles rund. In allen Kämpfen und oft auch außerhalb der Feuergefechte ging die Framerate enorm stark in die Knie, was sich dementsprechend negativ auf das Gameplay ausgewirkt hat. Natürlich wird dieser technische Zustand, so viel sei schon einmal gesagt, Konsequenzen bezüglich der Wertung nach sich ziehen. Aber jetzt wollen wir uns dem eigentlichen Spiel zuwenden.

Gelungene Rachegeschichte

Es ist die Erfüllung des American Dream: Max Payne, ein New Yorker Polizist, führt mit seiner Frau Michelle und seiner neugeborenen Tochter ein glückliches Leben. Eines Tages wird Max’ Familie jedoch von Junkies ermordet, die unter dem Einfluss einer neuen Droge namens Valkyr stehen. Drei Jahre später ermittelt Max Payne undercover im Valkyr-Fall, bis ihm der Mord an einem Polizisten angehängt wird. Von der Polizei gejagt, schießt sich Max durch den kriminelle Untergrund von New York und schaltet die Köpfe der führenden Mafia-Familien aus. Doch dabei bleibt es nicht – Max trifft im Verlauf der Handlung auch auf Geheimbünde und geht tiefgreifenden Verschwörungen auf die Spur.

Diese Zwischensequenz vom Anfang des Spiels zeigt, dass Max ein Familienmensch ist.

Was die Geschichte des Spiels so gut macht, ist jedoch vor allem die Charakterisierung unseres Protagonisten. Max‘ Wandel von einem glücklichen Familienmann hin zu einem selbstzerstörerischen Rächer ist ebenso tragisch wie konsequent. Dabei steigen wir immer tiefer hinab in die Psyche unserer Spielfigur, wobei einige sehr starke Szenen entstehen. Die Geschichte wird hierbei über Standbilder mit comicartigen Panelen und Sprechblasen erzählt, die von den jeweiligen Synchronsprechern vertont werden. Zumindest im Englischen bewegt sich die Schreibe hierbei auf einem hohen Niveau. Wenn dann noch das ikonische Main Theme einsetzt, ist Atmosphäre vorprogrammiert. Um Max Payne abzuschließen, habe ich knapp über sechs Stunden gebraucht. Das erachte ich als angenehmne Spielzeit – kurz genug, damit die Action nicht dröge wird, aber lang genug, dass sich das Ganze wertig anfühlt.

Schießereien mit bullet time

Wo wir gerade schon bei der Action sind: Bei Max Payne handelt es sich um einen Third-Person-Shooter. Max findet dabei im Verlauf der Handlung eine ganze Reihe von Schießeisen, die in sechs Kategorien unterteilt werden: Nahkampfwaffen, Pistolen, Schrotflinten, Automatikwaffen, Granaten und Spezialwaffen wie Scharfschützengewehre. Was das Spiel so besonders macht, ist allerdings seine bullet time: Auf Maus- beziehungsweise Tastendruck können wir die Zeit verlangsamen und damit Gegner erheblich einfacher ausschalten. Dabei entstehen einige echt stylische Momente, wenn wir mehrere Gegner mit unserer Automatikwumme weghauen, während wir uns mit einem seitlichen Sprung schon in die nächste Deckung begeben. Das Trefferfeedback der Waffen fühlt sich hierbei sehr befriedigend an.

Links haben wir gerade einen Gegner ausgeschaltet, rechts sichern wir bereits die Treppe ab.

Das Verwenden der bullet time leert die Sanduhr in der unteren linken Bildschirmecke ein wenig aus. Um unseren Vorrat wieder aufzustocken, müssen wir Gegner eliminieren. Ebenfalls unten links sehen wir Max‘ Schadensanzeige, die wir mit Painkillern senken können. Diese finden wir – wie auch Munition – in den Levels versteckt. Dabei sollten wir stets mit f5 schnellspeichern, damit wir unseren Spielstand geschwind wieder herstellen können, sobald wir doch einmal das Zeitliche segnen,. Speichern und laden geht hierbei erfreulich schnell vonstatten und lädt zum Experimentieren ein. Anfangs ist nur ein Schwierigkeitsgrad verfügbar, den der für mich persönlich in Sachen Anspruch schon absolut ausreichend war. Ich halte aber prinzipiell relativ wenig davon, dass man das Spiel erst einmal abgeschlossen haben muss, um die schwereren Stufen freizuspielen.

Noch erstaunlich ansehnliche Grafik

Das Leveldesign gefällt mir durchaus gut. Es gab nur zwei, drei Stellen, an denen ich für längere Zeit nicht weiter wusste. Ansonsten gelingt es dem Spiel auf überzeugende Art, die Action aufrecht zu erhalten, ohne dabei übermäßig linear zu wirken. Einziges Manko: Ein paar weniger grau-braune Gänge hätten dem Leveldesign durchaus nicht geschadet. Ansonsten sieht Max Payne nach den Maßstaben des Jahres 2001 hervorragend aus: Die Modelle sind sehr detalliert, die Texturen erfreulich scharf und die Lichtstimmung realistisch – alles im Kontext seiner Zeit, versteht sich.

Max Payne sieht für sein Erscheinungsjahr immer noch sehr solide aus, allerdings wirkt beispielsweise das Zielfernrohr unseres Scharfschützengewehrs doch arg veraltet.

Viel mehr kann ich dann auch schon gar nicht mehr zu Max Payne sagen, was mich durchaus überrascht hat, da ich das Spiel abseits der Lags immer noch gut, wenn auch nicht herausragend finde. Das Gameplay ist nun einmal recht simpel gestrickt und fokussiert sich auf wenige Kernmechaniken. Das halte ich aber durchaus für einen Vorteil. Erschiene dieses Spiel heutzutage, würden die Entwickler bestimmt noch Nebenaufgaben, rollenspielartige Stufenaufstiege und vermutlich noch eine Open World einbauen. Stattdessen ist Max Payne einfach ein angenehm altmodisches Actionspiel ohne viel unnötigen Schnickschnack.

Fazit

Das Bullet-Time-Gameplay ist auch im Jahr 2022 noch wirklich sehr unterhaltsam und die tragische Rachegeschichte würde ich ebenfalls als zeitlos bezeichnen. Natürlich existiert in mancherlei Hinsicht immer noch Luft nach oben, aber das größte Problem des Spiels ist sein trotz Fixes schlechter technischer Zustand, der leider keine gute Wertung zulässt.

Anmerkung: Abwertung um eine ganze Note wegen starken Lags.

Plattform: DVD – Spielzeit: 6 Stunden

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: