Minecraft: Dungeons im Test: Eine große Lizenz ist nicht genug

Dass Minecraft (im Test: Wertung: 9.0) die Gaming-Landschaft so stark verändert hat wie kaum ein anderes Spiel, wird wohl niemand ernsthaft bestreiten. Der Sandbox-Survival-Mix vom Entwickler Mojang hat sich über ein Dutzend Plattformen mittlerweile mehr als 200 Millionen Mal verkauft. Aufgrund dieses überragenden Erfolgs kann man es Mojang und Microsoft nur schwer verdenken, dass sie alle paar Jahre Spin-Off-Spiele mit der Minecraft-Lizenz veröffentlichen. Da wäre etwa Minecraft: Story Mode (2015) oder das Strategiespiel Minecraft: Legends, welches nächstes Jahr erscheinen soll. Auch Minecraft: Dungeons (2020) gehört zu eben jenen Titeln und baut die in Minecraft schon vorhandenen RPG-Elemente zu einem waschechten Action-Rollenspiel im Stil von Diablo und Torchlight aus. Ich liebe Minecraft, ich liebe Rollenspiele – was soll da schon schiefgehen? Wie sich herausstellt: so einiges.

Zweckmäßige Geschichte

Ein ausgestoßener Illager – das sind die bösen, Dorfbewohner-artigen NPCs, die in Minecraft in den Außenposten und Woodland Mansions leben – sucht ein Zuhause, wird jedoch stets von allen Dörflern zurückgewiesen. Um sich an den Villagern zu rächen, macht er sich auf die Suche nach der Kugel der Dominanz (die ironischerweise in Klötzchenform daherkommt). Kaum hält er das mächtige Artefakt in seinen Händen, erschafft er eine gewaltige Armee, um das Land zu unterwerfen. Wer soll seine dunklen Machenschaften nun aufhalten? Na klar: wir!

Es dürfte wohl niemanden verwundern, dass wir hier über eine unterdurchschnittliche Geschichte reden, die ein bloßes Mittel zum Zweck ist. Zwischen der ersten und der letzten Mission tut sich in Sachen Handlung überhaupt nichts – und dann endet das Ganze auch noch auf einem Cliffhanger. Die schwache Geschichte alleine wäre jedoch noch kein riesiges Problem, immerhin sind Hack and Slays nicht gerade für ihre herausragenden Stories bekannt. Aber auch auf spielerischer Ebene ist Minecraft: Dungeons unbefriedigend.

In der Festung des Erz-Illagers legen wir uns mit einer Horde von Köchen an.

Unseren selbsterstellten Helden – wir passen lediglich das Aussehen an, Klassen gibt es nicht – spielen wir aus der Iso-Perspektive und steuern ihn mit der Maus. Auf der linken Maustaste schlagen wir mit unserer Nahkampfwaffe zu, auf der rechten lösen wir einen Fernkampfangriff mit unserem Bogen oder unserer Armbrust aus. Wir können zwar auch TNT aufsammeln, um es dann auf Gegner zu werfen, und gelegentlich auch Artefakte mit besonderen Fähigkeiten aktivieren – im Grunde hört es da aber auch schon wieder auf. Wir schalten keine neuen Fähigkeiten frei, stattdessen erhalten wir bei jedem Levelaufstieg einen Verzauberungspunkt, mit dem wir ein Ausrüstungsteil verbessern können. Letztere erhalten wir ganz klassisch entweder von toten Gegnern oder aus Truhen. Ist ein Item für uns nicht mehr von Wert, können wir es zerlegen und erhalten dabei die Verzauberungspunkte zurück, die wir investiert haben. Außerdem werden wir mit Smaragden belohnt, der wichtigsten Währung von Minecraft: Dungeons.

Neue Ausrüstung für die Monsterhatz

In unserer Basis, zu der wir nach jedem Einsatz zurückkehren, befindet sich ein Händler, bei dem wir unsere Smaragde gegen Lootboxen eintauschen können. Wir sehen dann zum Beispiel, dass wir für 175 Smaragde eine Lootbox mit einer Nahkampfwaffe bekommen, den genauen Inhalt kennen wir dementsprechend allerdings nicht. Ich persönlich bin zwar kein Fan dieses Systems, aber immerhin habe ich keine Möglichkeit gefunden, Echtgeld für die Lootboxen auszugeben – das ist mir vor allem im Hinblick auf die Zielgruppe des Spiels durchaus wichtig. Dafür gibt es im Steam Store jedoch einen Battle Pass, genannt »Abenteurerpass«, zu kaufen. Dieser kostet vier Euro und gewährt uns Zugriff auf kosmetische Gegenstände.

Abhängig vom Gegenständ dürfen wir bis zu drei Verzauberungen anbringen und diese auch noch in drei Stufen ausbauen.

In unserer Basis haben wir auch Zugriff auf die Weltkarte, von der aus wir dann auch neue Einsätze starten. Insgesamt neun Hauptmissionen gilt es zu bewältigen, dazu kommen eine Reihe von Nebenschauplätzen. Optisch sind die Level sehr abwechslungsreich – es gibt Sümpfe, Wüsten, Bergminen et cetera –, spielerisch sind sie jedoch meist recht ähnlich. Wir laufen stets durch recht enge Schläuche, die nur von wenigen Abzweigungen aufgebrochen werden. Haben wir uns doch einmal verlaufen, ploppt ziemlich schnell ein Richtungsweiser auf. Auch die Minimap kann bei der Orientierung helfen, ist optisch aber extrem hässlich geraten. Dabei kloppen wir so lange Monster um, bis der Zeigefinger schmerzt. Die Metzelei ist auch tatsächlich unterhaltsam: Gerade dann, wenn wir uns in schneller Abfolge durch Horden von schwachen Widersachern kämpfen, entsteht ein durchaus guter Spielfluss, auch wenn das Niveau eines Diablo oder Torchlight hier nicht ganz erreicht wird.

Das Problem mit dem Heiltrank

Beim Gegnerdesign schöpft Dungeons aus den Vollen: Creeper wollen uns in die Luft jagen, Spinnen spucken Netze, Skelette setzen uns aus der Distanz unter Druck. Dazu kommen noch einige gänzlich neue Kreationen wie beispielsweise Feuergolems als Bossgegner. Wenn wir das Zeitliche segnen, können wir auf unsere drei Extraleben zurückgreifen. Erst wenn diese komplett aufgebraucht sind, müssen wir die Mission komplett von vorne beginnen.

Bosskämpfe wie gegen dieses Redstone-Ungetüm können sich aufgrund der Heiltrank-Mechanik ziemlich in die Länge ziehen.

Die Kämpfe bringen mich aber auch zur mit Abstand schlechtesten Designentscheidung, die Minecraft: Dungeons trifft. Wir können nämlich keine Heiltränke aufsammeln, stattdessen haben wir nur einen einzigen wiederverwendbaren Trank im Inventar, der allerdings auch mit einem happigen Cooldown daherkommt. Problem Nummer eins daran: Das Horten von Heiltränken stellt für mich einen der spaßigsten Aspekte von Hack and Slays dar. Problem Nummer zwei: Aufgrund des Cooldowns verkriechen wir uns oft in irgendwelche Ecken und warten einfach nur, bis der Heiltrank wieder verfügbar ist – vor allem in Bosskämpfen wirkt das doch sehr antiklimaktisch.

Technik und Umfang

Dungeons fängt den blockigen Minecraft-Look dabei sehr gut ein, kann jedoch auch mit einer detallierteren Fauna und geschmeidigeren Texturen als im Original aufwarten. Die Grafik war für mich als Minecraft-Fan tatsächlich auch das Highlight des Spiels, leider ist der Soundtrack dafür ziemlich generisch – die ikonischen Stücke von C-418 treten im Spiel leider nicht auf. Ebenfalls nicht gelungen finde ich die Menüs, welche sich stark an der Bedrock Edition orientieren und für mich als Java-Veteranen unnötig schwer lesbar sind. Apropos Bedrock: Um ein Microsoft-Konto kommt ihr für Minecraft: Dungeons nicht herum. Selbst wenn ihr das Spiel über Steam kauft, müsst ihr euch vor dem Spielstart noch einmal bei Microsoft einloggen. Dafür könnt ihr dann aber auch im Online-Koop euer Abenteuer mit anderen Spielern bestreiten.

Die Weltkarte ist prinzipiell schön gestaltet, dafür finde ich die Menüs recht unübersichtlich.

Um die Hauptmissionen der Kampagne abzuschließen, habe ich laut Steam sieben Stunden gebraucht. Dabei habe ich mich auch noch nicht einmal ziemlich gut angestellt, weil ich zu ungeduldig bin, was den Heiltrank-Cooldown angeht und ich deshalb viele Bosskämpfe verloren habe. Rechnet im Zweifel also mit weniger Spielzeit. Es ist ziemlich eindeutig, dass sich Minecraft: Dungeons primär an Kinder richtet. Das ist prinzipiell auch gar kein Problem und hat zweifellos seine Existenzberechtigung, aber ich schreibe nun einmal aus der Perspektive eines Core Gamers. Und als solcher muss ich sagen: Wenn das Spiel nicht den Namen »Minecraft« trüge, würden sich nur sehr wenige Leute dafür interessieren.

Die DLCs für Minecraft Dungeons

Wenn ihr nach dem Hauptspiel immer noch nicht genug habt, gibt es sechs Story-DLCs für jeweils sechs Euro zu kaufen. Diese habe ich aktuell jedoch noch nicht ausprobiert und fließen dementsprechend nicht in die Wertung mit ein.

Minecraft: Dungeons: Selbst als großer Fan von Minecraft kann ich mit Dungeons nur wenig anfangen. Das liegt hauptsächlich an der schwachen Story und der im Vergleich zu anderen Genrevertretern geringen Spieltiefe. Das Kern-Gameplay geht aber in Ordnung und bereitet seichten Spielspaß. Immerhin: Dungeons eignet sich für jüngere Spieler als Einstieg in die Welt der Action-Rollenspiele. modugames

5.5
von 10
2022-08-21T00:00:00+0200

Infokasten

Gespielte Version: 1.15.1.0_9924835 – Plattform: Microsoft Store & Steam – Spielzeit: 7 Stunden

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