Minecraft im Test: Ein Spiel, das Geschichte geschrieben hat

Minecraft. Was gibt es zu diesem Spiel zu schreiben, was nicht bereits irgendwo geschrieben wurde? Wohl recht wenig. Trotzdem möchte ich euch in dieser Rezension meine eigene Sichtweise auf diesen wahrlich außergewöhnlichen Titel darlegen. Ich will gar nicht wissen, wie viele Stunden (Tage! Wochen!) ich in Minecraft versenkt habe. Seitdem ich 2012 zum ersten Mal auf das Spiel gestoßen bin, hat es mich nie mehr ganz losgelassen. Und das Beste daran: Dank regelmäßiger Updates wie zuletzt The Wild und Caves & Cliffs bleibt das Spiel auch heute noch frisch und interessant. Mittlerweile ist Minecraft so gut, dass es für die erste 9er Wertung in der Geschichte dieser Website reicht.

Brave New World

Wer die letzten zehn Jahre nicht halbtot unter einem Stein mitten in der Walachei gelebt hat, der weiß bereits, was Minecraft ist. Dennoch möchte ich die wichtigsten Spielsysteme wenigstens einmal kurz ansprechen. Starten wir im Hauptmenü. Zum Mehrspielermodus werde ich am Ende dieses Textes noch ein paar Worte verlieren, widmen wir uns also erst einmal dem Einzelspieler. Beim Erstellen einer neuen Welt müssen wir uns unter anderem für einen Spielmodus entscheiden. Ich wähle am liebsten »Überleben« – quasi der klassische Modus von Minecraft, in dem man Ressourcen sammelt und gegen Monster kämpft. Dem gegenüber steht der Kreativmodus, in dem man fliegen kann, unsterblich ist und unbegrenzte Baumaterialien im Inventar hat. Es gibt auch einen Hardcore-Modus, der im Prinzip wie Überleben funktioniert, allerdings wird beim Tod die Welt gelöscht – für notorisch tollpatschige Menschen wie mich nicht zu empfehlen!


Die mit Caves & Cliffs eingeführten Gebirgs- und Höhlenformationen machen richtig was her.

Jede Karte in Minecraft besteht aus komplett Blöcken und wird zufällig generiert, wobei sie theoretisch auch unendlich groß ist. Biome, also unterschiedliche Landschaftsarten, gibt es mittlerweile mehrere Dutzend: Wälder, Grasebenen, Wüsten, Ozeane, Schneegebiete, Sümpfe und dergleichen. Nicht alle davon sind toll, manche sind vor allem optisch sehr trist und spielerisch eher nervig (Schnee, Sumpf). Das ist nur begrenzt ein Problem, da die Biome nicht übermäßig groß sind und man in der näheren Umgebung meist einen gefälligen Landstrich entdecken kann. Der Weltengenerator ist immer noch nicht perfekt, zum Beispiel treten immer noch Blockformationen auf, die unverbunden irgendwo in der Luft herumschweben, was ich als sehr hässlich empfinde. An diesem Aspekt haben die Entwickler jedoch mit Update 1.18 stark gefeilt, welches uns gewaltige Gebirgsketten und neue, riesige Höhlensysteme beschert hat.

Die Baum-Handkanten-Verkloppung

Wir starten in unserer Welt mit gar nichts außer einem »Hand«-Block. Das erste, was wir tun sollten, ist, einen Baum zu fällen. Lies: Wir hauen mit unserer Hand so lange auf den Stamm, bis ein Holzklotz herausfällt. So funktioniert das grundsätzliche Spielprinzip von Minecraft: Blöcke abbauen, Blöcke setzen. Jedenfalls können wir unser frisch geschlagenes Holz nun im Inventar zu Brettern weiterverarbeiten. Aus diesen wiederum können wir weitere Gegenstände herstellen, unter denen wohl die Werkbank am wichtigsten ist, die es uns erlaubt, komplexere Items zu craften. Essenziell ist es vor allem, Werkzeuge herzustellen, die das Abbauen von Blöcken beschleunigen bzw. erst möglich machen.


Über der Savanne geht die Sonne unter – Minecraft kann trotz Pixel-Look durchaus hübsch sein.

Wir starten mit einer Holzsspitzhacke und benutzen diese, um Stein abzubauen. Daraus wiederum basteln wir uns Steinspitzhacken, mit denen wir wiederum Eisen abbauen können. Eisenspitzhacken ermöglichen es uns, Diamanten zu erlangen, bei denen es sich um das beste konventionelle Material des Spiels handelt. Das beste Mineral im Spiel ist Netherit, das es aber nur im Nether gibt – dazu später mehr. Im Idealfall hat man also irgendwann Spitzhacken, Schwerter, Rüstungsteile usw. aus Netherit. Zu den weiteren wichtigen Materialien, nach denen man in den Höhlen Ausschau halten sollte, gehören Kohle (braucht man für Fackeln und zum Befeuern des Ofens), Redstone (wird für elektrische Schaltungen benötigt) und Lapis Lazuli für Verzauberungen.

Jäger und Sammler, Züchter und Gammler

Doch halt: Verzauberungen? Ja, wir können seine Werkzeuge und Rüstungen in Minecraft magisch verbessern. Dafür sammeln wir wie in einem Rollenspiel Erfahrungspunkte. Diese bekommen wir, indem wir Monster töten, Erze abbauen oder Tiere züchten. Letzteres ist ohnehin ein interessantes Thema, denn wie man es aus Survivalspielen kennt, müssen wir unseren Hunger im Auge behalten. Kluge Spieler legen sich eine Weizenfarm an und benutzen die Erträge der Felder, um Kühe zu züchten. Kühe haben gegenüber den anderen Tierarten (Schweine, Hühner, Schafe usw.) den Vorteil, dass sie nicht nur das beste Nahrungsmittel des Spiels – nämlich Fleisch – droppen, sondern auch noch Leder hergeben. Dieses braucht man zur Produktion von Büchern, welche wiederum für den besagten Verzauberungstisch benötigt werden.


Die Spielwelten werden von den unterschiedlichsten Tieren und Monstern bevölkert. Pferde eignen sich hervorragend zur Bewältigung längerer Strecken, allerdings braucht man einen Sattel zum Reiten, den man nur in Verließen findet.

Bevor wir jetzt allerdings zu sehr in die Einzelheiten des Spiels gehen, möchte ich mich noch einem der Kernaspekte von Minecraft widmen: dem Bauen. Wer Fantasie und Geduld mitbringt, kann sich seine Welt wirklich sehr gut nach seinen Vorstellungen formen und seine Traumbauten errichten: Baumhaus im Dschungel? Check! Burg samt Dorf im Wald? Bingo! Der Berg muss weg, um Platz für Felder zu schaffen? … Ärgerlich, aber auch machbar! Bauen braucht allerdings auch ein gewisses Maß an Übung. Neue Spieler fangen gerne mit dem berühmt-berüchtigen Quadrathaus aus Holz an. Bis man herausfindet, welche Blöcke miteinander harmonieren, und wie man die vielen dekorativen Elemente sinnvoll einsetzt, vergehen schon mal ein paar Stunden. Oder Tage. Und schon befindet man sich im Sog von Minecraft.

I’m on the Highway to Hell

Nehmen wir also einmal an, dass unser Haus soweit steht, unsere Essenversorgung gesichert ist und wir mit Schwertern, Bögen und einer dicken Rüstung bewaffnet sind. In diesem Fall stellen die normalen Monster wie Zombies, Skelette, Spinnen und selbst die explosiven Creeper keine ernsthafte Gefahr mehr für uns da. Dann sollte man darauf hinarbeiten, das Endziel von Minecraft zu erfüllen: den Enderdrachen zu besiegen. Vorher müssen wir allerdings noch einen Zwischenstopp in der Hölle einlegen. Ja, es gibt eine Hölle in Minecraft, auch wenn die hier »Nether« heißt. Dorthin kommen wir nur mit einem Nether-Portal, das aus Obsidian hergestellt wird (benötigt eine Diamantspitzhacke zum Abbauen).


Mit Schwert und Schild verteidigen wir uns gegen die feuerspuckenden Lohen im Nether.

Der Nether ist ein raues Pflaster. Betten, mit denen wir sonst einen Respawnpunkt setzen können, fliegen hier einfach in die Luft. Wasser verdampft sofort, folglich können wir uns nicht löschen, wenn wir aufgrund der Lava Feuer fangen. Und glaubt mir, im Nether gibt es VIEL Lava. Jedenfalls gehen wir ja nicht aus Jux und Tollerei in den Nether, sondern um eine Aufgabe zu erfüllen. Wir brauchen spezielle Items, die nur von sogenannten Lohen gedropped werden, die man in Netherfestungen findet. In diese sollte man keinesfalls unvorbereitet gehen, denn die Kämpfe sind hart.

Apropos: Über die Gefechte habe ich bis jetzt noch gar nicht geredet. Im Optimalfall erschießt man Gegner mit dem Bogen auf Distanz, im Nahkampf ist eine Axt oder ein Schwert die Waffe der Wahl. Wer einen Schild mitbringt, kann gegnerische Angriffe blocken. Per se spielen sich die Kämpfe ziemlich unkompliziert. Es geht im Wesentlichen darum, möglichst viele kritische Treffer zu landen, die man durch gutes Timing der Schläge erreicht.

Ende gut, alles gut

Kommen wir (hoffentlich!) siegreich aus dem Nether zurück, haben wir nun alle Gegenstände, um sogenannte Enderaugen herzustellen. Diese wiederum führen uns zu unterirdischen Festungen in der normalen Welt. Klingt langsam kompliziert? Keine Sorge, wir haben es gleich geschafft. In jeder Festung befindet sich ein Portal, das uns ins »End« führt, wo der Enderdrache haust. Dem hauen wir in einem ziemlich repetitiven Bosskampf eins auf die Rübe und schon rollen die Credits. Natürlich kann man danach in seine Welt zurück und regulär weiterspielen. Minecraft ist selbst dann noch nicht ganz zu Ende, so können wir etwa noch Unterwassertempel erkunden oder uns dem gefürchteten Wither im Kampf stellen.


Die mit The Wild hinzugefügten Ancient Cities sind eine Herausforderung für das Endgame. Achtung: Warden-Gefahr!

Wer sich danach noch langweilt, sollte sich mit Redstone auseinandersetzen. Dieses Material ermöglicht es uns, Schaltungen und Apparaturen zu bauen. Das fängt bei banalen Dingen wie Türen an, die sich öffnen, wenn man auf eine Druckplatte tritt, und endet bei riesigen, vollautomatisierten Farmen. Offen gestanden habe ich Redstone nie so ganz durchschaut. Ich baue lieber Mittelalterdörfchen und überlasse es den Profis, funktionierende Taschenrechner in Minecraft nachzubauen (das geht!).

…und die Kehrseite?

Jetzt habe ich das Spiel zugegebenermaßen viel gelobt. Allerdings habe ich ja noch einen Ruf zu verlieren! Folglich möchte ich hier noch einige Dinge anmerken, die mir am Überlebensmodus nicht so gut gefallen. Das größte Problem ist der Leerlauf, der auftreten kann. Stellenweise muss man viele Items farmen, um voranzukommen, was bei einem prozedural generierten Spiel mal mehr, mal weniger zeitaufwendig ist. Wer sich in solchen Phasen nicht selbst motivieren kann, schaut schnell in die Röhre. Das war bei mir zum Beispiel die Fall. Ich möchte einfach irgendwann nicht mehr Dutzende Endermen töten müssen, um mir genügend Enderaugen craften zu können!


In diesem Portal fehlen noch elf der benötigten zwölf Augen. Endermen- und Lohen-Jagd ist nun angesagt!

Mein zweiter großer Kritikpunkt ist quasi philosophischer Natur. Minecraft steht und fällt mit der Fantasie seiner Spieler. Ich bin zwar prinzipiell ein recht fantasievoller Mensch – immerhin schreibe ich in meiner Freizeit nicht nur qualitativ zweifelhafte Rezensionen, sondern bin auch noch Musiker –, allerdings finde ich die Freiheit, die Minecraft bietet, zuweilen geradezu überwältigend. Gerade im Kreativmodus habe ich wirklich unbegrenzte Möglichkeiten und dennoch bekomme ich nichts geschafft, weil es einfach zu viel gibt. Das mag für manche Leute schwierig zu verstehen sein, aber wer von Natur aus perfektionistisch ist, kennt das Problem, dass man stundenlang herumprobiert und man am Ende doch wieder bei Null dasteht.

Mehrspieler-Eskapaden und Präsentation

Ich möchte allerdings auf einer high note enden und außerdem hatte ich eingangs auch angekündigt, noch über den Mehrspielermodus zu reden, also löse ich dieses Versprechen jetzt ein. Es gibt keine offiziellen Minecraft-Server, zumindest keine kostenlosen. Es gibt zwar die sogenannten »Minecraft Realms«, bei denen es sich um Server zum Mieten handelt. Dabei sehe ich ehrlich gesagt aber den Sinn nicht, wenn es auch gute kostenlose Alternativen gibt. Im Multiplayer kann man natürlich die gängen Modi wie Überleben und Kreativ spielen, allerdings erfreuen sich vor allem Minigame-Server großer Beliebtheit. Von Hunger Games bis hin zu Jump ’n‘ Runs wird hier quasi alles angeboten. Ich tue mich schwer damit, diese Server in meine Wertung mit einzubeziehen, da sie, wie gesagt, nicht offiziell sind, allerdings wollte ich deren Vorhandensein an dieser Stelle einmal lobend anmerken.


In Dörfern dürfen wir mit den Einwohnern handeln und sie sogar aufleveln, was neue Tauschmöglichkeiten freischaltet.

Zu guter Letzt müssen wir noch kurz der Präsentation. Standardmäßig verwendet Minecraft sogenannte 16×16 Texturen, also hat jede Seite eines Blocks insgesamt 256 Pixel, was nun einmal sehr wenig ist. Wer möchte, kann sich Ressourcenpakete herunterladen, welche von Fans erstellt wurden und das Aussehen des Spiels komplett verändern. Allerdings gilt auch hier: Fan-Inhalte kommen nicht in die Wertung. Ansonsten bleibt nur noch der Soundtrack. Ich mag die Musik von Minecraft außerordentlich gerne. Sie ist sehr unaufdringlich, schafft es gleichzeitig aber auch, fast alle Spielsituationen kompetent zu untermalen und uns Träumen zu lassen. Leider ertönt sie nur viel zu selten, was in einem Spiel mit potenziell viel Leerlauf eher suboptimal ist.

Minecraft: Minecraft ist eines der wichtigsten, wenn nicht sogar das wichtigste Spiel der letzten 20 Jahre: Ein Kreativbaukasten, der die Vorstellungskraft beflügelt wie kaum ein anderes Programm und damit ein eigenes Subgenre erschaffen hat. Nach einem Jahrzehnt an kostenlosen Updates ist Minecraft auch sehr umfangreich und stellenweise wirklich komplex. Die Definition eines Pflichtkaufs. modugames

9
von 10
2022-06-12T00:00:00+0200

Infokasten

Gespielte Version: Java Edition 1.19 – Plattform: Minecraft Launcher

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