Star Wars: Battlefront 2 (2005) – Ein Traum für jeden Star-Wars-Fan | Kritik

2005 war die Macht mit den Star-Wars-Fans. Nicht nur lief »Episode III: Die Rache der Sith« in den Kinos, auch hochkarätige Videospiele wie Republic Commando oder die PC-Umsetzung von Knights of the Old Republic 2 erschienen in diesem Jahr. Unter diesen fantastischen Spielen befindet sich jedoch eines, das allen anderen die Show gestohlen hat: Star Wars: Battlefront 2, der Nachfolger zum beliebten First-Person/Third-Person-Shooter aus dem Jahr 2004. Trotz seiner 17 Jahre handelt es sich hierbei immer noch um einen der besten Titel aus der weit, weit entfernten Galaxis.

Endlich eine richtige Kampagne!

Star Wars: Battlefront 2 steht ganz im Zeichen der Verbesserung von bestehenden Systemen. So bietet der zweite Teil diesmal einen anständigen Storymodus (die Kampagne des Vorgängers konnte man nur mit anderthalb zugekniffenen Augen überhaupt als solche bezeichnen). Die Geschichte beginnt zur Zeit von »Die Rache der Sith« und endet mit »Das Imperium schlägt zurück«. Hier wird also ein Zeitraum von knapp mehr als 20 Jahren abgedeckt. Wir sind Teil der »501.«, einem Regiment von Klonsoldaten der Galaktischen Republik, und bekämpfen so anfangs noch die Droiden der Separatisten, wenden uns dann gegen die Jedi und zerschlagen im zweiten Teil der Kampagne die Rebellion. Die insgesamt 17 Missionen folgen grob der Handlung der Filme und sind bestenfalls lose miteinander verbunden. Generell sollte man hier kein erzählerisches Meisterwerk erwarten, auch wenn die Grundstimmung teilweise schön melancholisch ist.


In der ersten Mission der Kampagne kämpfen wir auf dem Planeten Mygeeto, den man kurz in Episode III sieht.

Auch inszenatorisch schwächelt die Kampagne, so gibt es Ausschnitte aus den Filmen (die, wie schon im Vorgänger, ziemlich billig wirken) und Zwischensequenzen in der Ingame-Grafik (die ebenfalls ziemlich billig wirken, auch wenn sie das Spiel immerhin akkurat abbilden). Die Missionen sind optisch recht abwechslungsreich, aber auch ziemlich kurz – die meisten lassen sich in wenigen Minuten absolvieren. Spielerisch basiert das alles auf den Karten für den Eroberungs-Modus, nur eben leicht modifiziert, sodass der Spieler unter anderem Gegenstände bergen oder Positionen halten muss. Das ist keine Kampagne auf dem Niveau eines Republic Commando, aber es handelt sich hier dennoch um eine massive Verbesserung gegenüber dem Vorgänger.

Die Galaktische Eroberung dreht auf

Auch ein anderer Modus bekommt eine gewaltige Überarbeitung spendiert: die Galaktische Eroberung, die ich schon im Vorgänger als den besten Teil des Spiels bezeichnet habe. In Battlefront 2 gibt es nun eine strategische Karte, Planeten haben also einen festen Standort und können nur über bestimmte Routen angegriffen werden. Die beiden Kontrahenten bewegen rundenweise ihre Flotten über die Karte, wobei auch Raumschlachten (dazu später mehr) entstehen können, wenn zwei Flotten aufeinandertreffen. Die Galaxis besteht aus 13 Planeten, die alle Geld einbringen. Damit kaufen wir uns neue Soldatenklassen und Boni. Daraus resultiert, dass der Modus insgesamt nochmal deutlich besser ist als im Vorgänger. Ein Ersatz ein vollwertiges Strategiespiel wie Empire at War ist er damit allerdings natürlich noch lange nicht. Aber wo wir gerade schon bei Planeten sind: Wie sieht es denn kartentechnisch aus?


Der Todesstern ist einer der neuen Karten in Battlefront 2. Nicht von den Plattformen fallen!

Von den 17 Maps des Vorgängers übernimmt Battlefront 2 sieben: Endor, Hoth, Jabbas Palast, Kamino, Mos Eisley, Naboo und Yavin 4. Hierbei haben die Entwickler ein sehr glückliches Händchen bewiesen, dann diese sind mitunter die besten Karten aus Battlefront 1. Einzig Geonosis weine ich etwas nach… aber es gibt ja Ersatz! Das Spiel kommt nämlich mit elf neuen Bodenkarten daher, ergänzt durch sechs für Raumschlachten.

Das sind also unterm Strich nicht nur mehr als im Vorgänger, sondern sie sind auch noch besser. Denn Battlefront 2 kann erstmals auf Episode III als Quelle zurückgreifen – im Hinblick auf die Schauplätze der wohl ergiebigste Star-Wars-Film. Utapau ist etwa großartig, dasselbe gilt für Coruscant und Mustafar. Doch auch die Original-Trilogie erhält neues Material, so darf man etwa erstmals auf Dagobah oder auf dem Todesstern kämpfen. Dafür muss man in Kauf nehmen, dass jeder Planet nur noch über jeweils eine Karte verfügt, womit ich selbst aber absolut kein Problem habe.

Der Krieg zwischen den Sternen

Die wohl massivste Änderung gegenüber dem Vorgänger besteht jedoch in der Implementierung von Raumschlachten. Diese laufen folgendermaßen ab: Die zwei verfeindeten Fraktionen besitzen jeweils ein Flaggschiff, in dessen Hangar konstant Sternenjäger spawnen. Von schnellen Abfangjägern über Bomber bis hin zu Transportern (die mehrere Spieler mitnehmen können) ist hier alles dabei. Das Ziel: 180 Punkte zu erreichen, wobei man entweder die gegnerischen Jäger abschießen oder die Subsysteme (Brücke, Antrieb etc.) der Flaggschiffe ausschalten kann. Wirklich großartig ist, dass man im feindlichen Hangar landen und das Schiff von innen heraus zerstören kann. Genauso kann man auf seinem eigenen Großkampfschiff Geschütze bemannen oder Reparaturen vornehmen.


Mit unserem Y-Flügler bombardieren wir eine Fregatte des Imperiums.

So spaßig das auch erst einmal sein mag, muss ich dennoch zwei Dinge an diesem Modus kritisieren. Er ist erstens zu leicht und zweitens zu statisch, um über längere Zeiträume motivieren zu können. So bewegen sich die Großkampfschiffe und deren Begleitkreuzer überhaupt nicht, es geht hier also wirklich nur um Jägergefechte, was schnell alt wird, weil die KI fast keine Gefahr darstellt. Die Raumschlachten kommen jedoch mit einem Preis: Es gibt in den Bodengefechten nun keine Sternenjäger mehr. Um es mit den Worten von Direktor Krennic aus »Rogue One« auszudrücken: »We were on the verge of greatness, we were this close!«, aber gut, man kann anscheinend nicht alles haben. Wenn ich mich zwischen den beiden Optionen entscheiden müsste, würde ich die Raumkämpfe nehmen.

Mehr Modi & die Ankunft der spielbaren Helden

Damit ist die Featureliste aber noch längst nicht abgehakt! Der dritte große Spielmodus, die Soforteinsätze, dienen nach wie vor dazu, einzelne Karten gezielt zu spielen und sich eine Maprotation zusammenzustellen. Das Drumherum wurde allerdings erheblich ausgebaut, so gibt es in Battlefront 2 nicht mehr nur den altbekannten Spielmodus namens »Eroberung«. Die Riege wird durch »Capture the Flag«, »Jagd«, »XL« und »Angriff« erweitert. Im Jagdmodus rückt die indigene Bevölkerung eines Planeten in den Vordergrund, z.B. bekriegen sich auf Tatooine Jawas und Tusken-Räuber. »XL« bedeutet schlicht und ergreifend, dass die Anzahl an gleichzeitig dargestellten Truppen extrem ansteigt, also einfach nur Eroberung over 9000. Bei »Angriff« handelt es sich um Gefechte, in denen ausschließlich Helden und Schurken gegeneinander antreten.


Rache für Mustafar: Mit Vaders Machtgriff würgen wir Obi-Wan.

Doch halt: Helden und Schurken? Schon im Vorgänger besaß jede der vier Fraktionen einen KI-gesteuerten Anführer. Das ist in Battlefront 2 nun anders – die Republik, die KUS, das Imperium und die Rebellion besitzen mehrere Helden bzw. Schurken, die nun vom Spieler selbst gesteuert werden können. Die Kollegen spielen sich naturgemäß echt stark und regenerieren durch Kills Lebensenergie. Man könnte jetzt argumentieren, dass das Balancing des Spiels darunter leidet, dass diese Anführer so mächtig sind. Das stimmt mit Sicherheit auch zu einem gewissen Grad, aber ich bin einfach nur froh, dass ich endlich mit Imperator Palpatine den Rebellenabschaum elektroschocken kann. Ähem.

Eine neue Klasse und kleine Änderungen

Auch die Bodentruppen sind nicht unangetastet geblieben. In Battlefront gab es nur fünf Einheitenklassen: den Standardsoldaten, den schweren Truppler, den Scharfschützen, den Piloten und eine fraktionsspezifische Zusatzeinheit wie etwa den Wookiee. Battlefront 2 behält dieses Grundkonzept bei, fügt allerdings noch eine zweite fraktionsspezifische Einheit hinzu. So kämpft nun etwa der bothanische Spion (hat nichts mit »Botanik« zu tun) auf Seiten der Rebellion. Das verleiht den Streitkräften zwar mehr Individualität, macht das Balancing aber noch etwas wackeliger. Apropos Balancing: Wo ich den Vorgänger stellenweise zu schwer fand, ist Battlefront 2 fast immer zu leicht, selbst auf »schwer«, dem höheren der zwei Schwierigkeitsgrade. Dazu kommt noch, dass die Künstliche Intelligenz nach wie vor so schlau ist wie drei Meter Feldweg und auch das Flipperautomaten-Verhalten aus dem Vorgänger noch vorkommt.


Der bothanische Spion kann sich kurzzeitig fast unsichtbar machen und sich so hinter die feindlichen Linien schleichen.

Positiv ist wiederum, dass das User Interface überarbeitet wurde und nun deutlich hochwertiger aussieht. Auch andere dieser kleinen Änderungen bereichern das Spiel enorm. In den Soforteinsätzen dürfe wir unsere Matches nun beispielsweise deutlich genauer einstellen (Anzahl der Tickets, Bedingungen für Helden etc.). Und es gibt nun endlich ein Sprintfunktion, wodurch das Spiel gleich deutlich schneller und moderner wirkt. Halleluja! Andere kleine Kritikpunkte des Vorgängers treffen hier leider aber noch zu, beispielsweise besitzen manche Objekte viel zu große Hitboxen und saugen daher Schüsse auf, die eigentlich vorbeigehen sollten.

Was taugt der Mehrspieler? Wie gut sieht BF II aus?

Zu guter Letzt möchte ich noch ein paar Worte zur Präsentation verlieren. Da zwischen Battlefront und seinem Nachfolger gerade einmal ein Jahr vergangen ist, halten sich die grafischen Verbesserungen natürlich in Grenzen. Dennoch fällt auf, dass einige Figurenmodelle deutlich besser aussehen und die Animationen an manchen Stellen überarbeitet wurden. Teilweise spart das Spiel aber unangenehm viel mit Details, etwa auf der Strategiekarte. Battlefront 2 überzeugt technisch eher durch seine schiere Größe (etwa im XL-Modus) und die Möglichkeit, ohne Ladezeit zwischen den Schiffen hin und her zu fliegen und diese auch zu betreten. Im direkten Vergleich mit Republic Commando fällt auf, dass dieses einen deutlich höheren Detailgrad auffährt, aber eben auch mit deutlich kleinerem Maßstab. Wie bei jedem Star-Wars-Spiel gilt auch für Battlefront 2, dass der Soundtrack über jeden Zweifel erhaben ist.


Die Übersichtskarte der Galaktischen Eroberung gehört zu den grafisch schwächsten Elementen des Spiels.

Der Multiplayer-Modus ist natürlich auch wieder mit von der Partie. Vor allem über Steam gestaltet sich der online-Krieg-der-Sterne sehr komfortabel. Auch die Spielerzahlen gehen noch in Ordnung, wenn man das Alter von Battlefront 2 bedenkt. Abseits von einigen kleineren Mankos wie zu hoher Latenz sind hier aber vor allem die Spieler selbst problematisch. Ein Beispiel: Ich bin einer Runde Capture the Flag beigetreten und habe mich nach einiger Zeit gewundert, warum sich niemand um die Flagge kümmert. Also habe ich die Sache in die Hand genommen. Kurz darauf musste ich mir im Chat wütende Nachrichten anhören, warum ich denn das objective spiele, anstatt nur Gegner zu töten. Ja, die Matches haben die Angewohnheit, zu einem großen Free for All auszuarten. Ich bestreite überhaupt nicht, dass der Mehrspieler richtig viel Spaß machen kann, aber ich kämpfe dann doch lieber solo.

Fazit

Battlefront 2 übertrifft seinen Vorgänger in fast jeder Hinsicht: Endlich gibt es eine richtige Kampagne (auch wenn diese letztendlich trotzdem nur mittelmäßig ist), spielbare Helden (die teilweise etwas zu stark sind), Inhalte aus Episode III und allgemein viel mehr Umfang. Nicht alles davon ist perfekt, dennoch ist Battlefront 2 bis heute einer der besten Star-Wars-Shooter.

Gespielte Version: 1.1 – Plattform: Steam

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