Star Wars: Battlefront (2015) – »Du warst der Auserwählte!« | Kritik

Es gibt nur wenige Spiele, in denen ich so viel Zeit versenkt habe wie in Pandemics Star Wars: Battlefront 2 (Wertung: 8.0). Bis heute bleibt es eines der wichtigsten Spiele meiner Gamer-Laufbahn. Entsprechend groß war meine Vorfreude auf das 2015 veröffentlichte Reboot der altehrwürdigen Reihe. Besonders deshalb, weil es von den Battlefield-Machern DICE entwickelt wurde – der Serie, von der sich Battlefront hat »inspirieren« lassen. Vor Release häuften sich die Nachrichten über die nicht vorhandenen Features des Reboots und meine Vorfreude verwandelte sich in Skepsis. Gekauft habe ich das Spiel trotzdem zur Veröffentlichung und hatte tatsächlich auch mehr als 100 Stunden lang meinen Spaß, obwohl die Schwächen des Titels natürlich offensichtlich waren. Doch wie sieht es sieben Jahre später aus? Mein Urteil fällt ernüchternd aus.

Zwei riesige Probleme

Ich will hier gar nicht um den heißen Brei herumreden: Battlefront hat massive inhaltliche Probleme. Das erste davon besteht darin, dass sich das Spiel sich (bis auf den Rogue-One-DLC) komplett auf die Original-Trilogie konzentriert, also die Episoden IV bis VI rund um Luke Skywalker, Han Solo und Gefährten. Die Prequels (Episode I bis III) entfallen hingegen komplett. Obwohl ich die Original-Trilogie für die besten Star-Wars-Filme halte, bin ich doch mit den Prequels und der »The Clone Wars«-Animationsserie aufgewachsen und vermisse die ikonischen Schlachtfeldern wie Geonosis, Kashyyyk und Naboo in diesem Ableger. Wie gut sich die Prequels für das Battlefront-Konzept eignen, hatten die alten Serienteile bereits bewiesen. Es ist eine für mich vollkommen unverständliche Entscheidung, auf dieses Material zu verzichten.


Battlefront beschränkt sich komplett auf die Original-Trilogie. Hier zu sehen: Die Echo-Basis auf Hoth.

Das zweite große Manko von Battlefront ist die fehlende Kampagne. Man könnte hier argumentieren, dass keine der Kampagnen in den Vorgängern sonderlich großartig war – und hätte auch durchaus recht damit. Das heißt allerdings nicht, dass man dieses Feature komplett streichen sollte! Immerhin bietet der Singleplayer ein paar andere Modi, die man optional auch im online-Koop spielen kann: »Training« (dabei handelt es sich um Tutorials), »Schlacht« (ein Deathmatch gegen einen Spieler oder die KI) und »Überleben«. Bei letzterem handelt es sich um einen Hordenmodus, der tatsächlich auch recht unterhaltsam ist.

Außerdem lassen sich die Modi »Kampfläufer-Angriff« und »Jägerstaffel« im Singleplayer spielen. Das reicht mir aber nicht. Die Modi, die zur Verfügung stehen, machen mit nur der KI als Gegner einfach nicht sonderlich viel Spaß, und sie sind auch einfach nicht interessant genug. Die Modi in Battlefront 2 reichten von semi-strategisch (Galaxis-Eroberung) über Sandkasten-artig (Eroberung) bis hin zu übertrieben-verrückt (XL). Eine solche Auswahl haben wir im Battlefront-Reboot schlichtweg nicht, stattdessen werden wir mit ziemlichem 08/15-Kram abgespeist.

Konzeptionelle Fehler

Also widmen wir uns dem Herzstück des Spiels: dem Mehrspieler. Erstaunlicherweise zeigt eben dieser besonders, warum der Einzelspieler deutlich mehr Inhalt gebraucht hätte, denn Battlefront ist online weitgehend tot oder liegt zumindest im Sterben. Nur die wirklich großen Modi werden noch aktiv gespielt, beim Rest herrscht ziemliche Flaute. Wir warten ewig in leeren Lobbies (übrigens: das Spiel verwendet Matchmaking) und brechen am Ende die Suche doch wieder frustriert ab, weil sich einfach nicht genug Spieler finden. Da hilft es auch nicht, dass die vier DLCs des Spiels jeweils über eine eigene Rotation verfügen. Dadurch wird die ohnehin schon geringe Spielerzahl noch einmal unnötig aufgespalten.


Auf den Karten befinden sich solche einsammelbaren Power-Ups. Dieses hier bewirkt, dass wir einen TIE-Jäger fliegen dürfen – die Fahrzeuge stehen also nicht mehr einfach nur auf der Karte herum.

Apropos »unnötig«: Wir müssen dringend im Detail über die Spielmodi reden. Es existieren insgesamt zehn: Vorherrschaft, Kampfläufer-Angriff, Jägerstaffel, Gefecht, Fracht, Abwurfzone, Droidenalarm, Heldenjagd, Helden vs. Schurken und Wendepunkt. Ich bin der Meinung, dass dies deutlich zu viele sind, weshalb ich auch nicht jeden einzeln erklären werde, zumal die meisten sowieso nicht mehr gespielt werden. Mein Lieblingsmodus ist der Kampfläufer-Angriff, bei dem es sich aus gleichzeitig um das Aushängeschild des Spiels handelt. Hier versuchen die Rebellen, einen oder zwei vorrückende imperiale Kampfläufer auszuschalten, während die Sturmtruppen diese natürlich verteidigen müssen. Da pro Team 20 Spieler antreten, sieht dies auch entsprechend bombastisch aus. Neben dem Modus »Gefecht« (ein klassisches Team-Deathmatch) hat sich erstaunlicherweise »Fracht« bei mir eingeprägt – ein capture the flag in kleinem Rahmen.

Zwei meiner Lieblingsmodi aus dem Vorgänger gibt es auch in diesem Spiel wieder, allerdings gefallen sie mir hier nicht annähernd so gut. »Jägerstaffel« will die Piloten unter den Star-Wars-Fans zufriedenstellen und lässt uns Raumschiffe fliegen. Dumm nur, dass sich die Vehikel so verhalten, als säße ein betrunkener Wookiee am Steuer. Ich bin in beiden Battlefront 2s (sowohl im 2005er als auch im 2017er) ein ganz vorzeigbarer Pilot, aber mit dieser trägen Steuerung hier komme ich absolut nicht klar. Auch ein anderer meiner alten Favoriten ist zurück: Helden vs. Schurken. Statt ein unkompliziertes Helden-Deathmatch zu bieten, dürfen in Battlefront aber nur drei der sechs Spieler pro Team tatsächlich in die Rolle eines Helden oder Schurken schlüpfen. Die restlichen sind normale Soldaten, die gegen die übermächtigen Anführer natürlich kein Land sehen. Zumal eine Partie in mehrere kleinere Runden unterteilt ist, wodurch kein richtiger Spielfluss aufkommt.

Nur ein Grafikblender?

Viele dieser Kritikpunkte kann man aber zumindest teilweise ausblenden, wenn man sich tatsächlich einmal in einer Runde befindet, denn dann zeigt sich die mit Abstand größte Stärke von Battlefront: seine Präsentation. Die grafische Qualität ist gerade im Kontext des Jahres 2015 wirklich überragend. Egal ob Animationen, Effekte oder Texturen-Details, dieses Spiel kam dem Fotorealismus damals extrem nahe – und muss sich auch heute nicht hinter modernen Titeln verstecken. Wo die AT-AT-Schlachten auf Hoth in den alten Teilen wahre Augenöffner für mich waren, so waren sie es auch wieder in EAs Battlefront, nur eben nochmal auf einem ganz anderen Level! Das einzige grafische Problem dieses Spiels sind die Gesichter der menschlichen Helden, die teilweise nicht gut getroffen sind. Der Wookiee Chewbacca sieht sogar ziemlich furchtbar aus. Zum Glück sind das Sounddesign und die musikalische Untermalung wirklich hervorragend.


Kampfläufer-Angriff gehört zu den optischen und spielerischen Highlights von Battlefront. Zu schade, dass wir diesen Modus nicht zur Zeit der Klonkriege erleben dürfen.

Es gibt aber auch noch einige positive Aspekte, die nichts mit der Präsentation zu tun haben. Zum Beispiel wurde ein Partner-System implementiert. Das bedeutet, dass man mit einer anderen Person aus seinem Team einen kleinen Trupp bildet. Man kann bei seinem Partner spawnen und auch die Sternenkarten (dazu später mehr) regenerieren sich in dessen Nähe schneller. Mir wäre ein Vierer- oder Fünfersquad zwar lieber gewesen, aber dennoch mag ich, dass so das Teamplay gefördert wird. Battlefront 2 hatte keine solche Mechanik. Auch finde ich gut, dass die Helden nun komplett individuelle Fähigkeiten besitzen. Im Vorgänger waren die Anführer noch nicht derart ausdifferenziert und spielten sich daher teilweise ziemlich ähnlich.

Andere Helden-Mechaniken finde ich aber tendenziell fragwürdig, beispielsweise kann man verlorene Gesundheit nicht mehr regenerieren, was sowohl im Vorgänger als auch im Nachfolger möglich ist. Die Lichtschwertkämpfe (die man ohnehin nur mit Luke Skywalker oder Darth Vader bestreiten kann) spielen sich ebenfalls etwas unbefriedigend. Grundsätzlich ist das Gameplay mit seinem optionalen Wechsel zwischen First- und Third-Person-Ansicht aber immer noch spaßig. Nicht herausragend oder sonderlich innovativ, aber es funktioniert.

Der Verlust der Serienidentität

Das war jetzt aber entschieden genug Lob für diese Rezension, denn es gibt noch eine Reihe von Änderungen, die man zumindest einmal kritisch betrachten sollte. Unter anderem wurde das Klassensystem komplett über Bord geworfen, wodurch Spezialisierungen im Team quasi nicht mehr vorhanden sind. Stattdessen gibt es nun die sogenannten »Sternenkarten«: Aus einem Pool von insgesamt 38 Fähigkeiten darf man sich drei auswählen. Nachdem sie eingesetzt wurden, sind die erst nach einer gewissen Abklingzeit wieder verfügbar, haben in den meisten Fällen aber unbegrenzt viele Ladungen.

Dummerweise werden immer die gleichen drei bis vier Verdächtigen ausgewählt: die Bacta-Granate (heilt die Spielfigur und Verbündete in der Nähe), der Körperschild (verleiht kurzzeite Immunität gegen Blasterfeuer) und das Sprungpack (beschleunigt die Fortbewegung enorm). Da hilft es auch nicht, dass Star Wars: Battlefront zum ersten Mal in der Serie auch auf automatische Lebensregeneration setzt. Das alles führt dazu, dass fast jeder als Rambo spielt und Teamplay keine sonderlich große Rolle einnimmt. Dadurch werden die Fortschritte, die beim Partnersystem gemacht wurden, wieder untergraben.


Der Thermaldetonater ist eine durchaus sinnvolle Sternenkarte. Mit Credits, die man am Ende von Runden erhält, kann man sich weitere Fähigkeiten erkaufen und drei davon in die Schlacht mitnehmen.

Auch an anderen Stellen machen sich die Anpassungen an moderne Konventionen bemerkbar. Zum Beispiel wurde ein Levelsystem bis Rang 100 eingeführt, das natürlich mit entsprechenden Freischaltungen verbunden ist. Ich selbst befinde mich gerade auf Rang 73 und habe schon vor Jahren fast alles freigeschaltet, was möglich ist. Daher kann ich aktuell keine Aussage mehr darüber treffen, ob das Levelsystem motivierend oder fair ist, aber ich erinnere mich zumindest nicht negativ daran. Für die sogenannten »Hutten-Aufträge« müssen wir gewisse Herausforderungen erfüllen, um dann mit besondere Waffen (es gibt insgesamt 22 Schießeisen) und Sternenkarten belohnt zu werden.

Damit kann ich prinzipiell noch leben, aber an anderen Stellen nimmt der Sammelkram einfach Überhand. Im Hauptmenü gibt es beispielsweise ein Diorama, wo man kleine Figürchen ansehen kann, die man freigeschaltet hat… Naja, wer’s braucht. Jedenfalls sind diese modernen Elemente nicht per se schlecht – aber sie sind eben auch absolut nicht das, was sich die Fans der Reihe gewünscht hatten. Es ist schon wirklich erstaunlich: Die alten Teile waren im Wesentlichen Battlefield mit Star-Wars-Anstrich. Hier haben wir die Entwickler der Battlefield-Serie und das Ergebnis fühlt sich eher an wie Call of Duty. Wie konnte das bloß passieren?

Fazit

Selbst wenn wir einmal ausblenden, dass die meisten Modi des Spiels heutzutage verwaist sind, war Battlefront nie ein wirklich würdiger Nachfolger: Die fehlende Kampagne, die Beschränkung auf die Original-Trilogie und die Abwesenheit eines Klassensystems sind eine herbe Enttäuschung für Fans der alten Teile. Grafik, Sounddesign und Atmosphäre sind jedoch erstklassig.

Gespielte Version: 1.7.64833 – Plattform: Origin

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