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Stronghold: Crusader – Eine unpopuläre Meinung | Kritik

Das beste Spiel der Stronghold-Serie? »Crusader«, würden viele alteingesessene Fans antworten und mich daraufhin etwas entgeistert ansehen, dass ich es überhaupt für notwendig hielt, diese Frage zu stellen – die Antwort darauf ist doch ganz klar! Tatsächlich erfreut sich der Standalone-Ableger aus dem Jahr 2002 bis heute großer Beliebtheit und wird noch erstaunlich aktiv im Multiplayer gespielt. Es gibt jedoch auch einige Aspekte an Stronghold: Crusader, die dafür gesorgt haben, dass ich dem Spiel schon immer tendenziell gleichgültig gegenüberstehe.

Die positive Seite

Der Untertitel verrät es bereits: Stronghold: Crusader verfrachtet das beliebte Spielprinzip mit seiner Mischung aus Aufbaustrategie und Echtzeitkämpfen in die Zeit der Kreuzzüge. Dementsprechend verlagert sich auch das Setting weg von Mitteleuropa hin zu Vorderasien, vor allem in die Gebiete der heutigen Türkei, Syriens und Jordaniens. Im Endeffekt sind wir also viel in der Wüste unterwegs, was natürlich auch spielerische Auswirkungen mit sich bringt. Die wenigen fruchtbaren Oasen sind hart umkämpft, weil man nur hier Felder, Plantagen und Co. anlegen kann. Als große spielerische Neuerung dürfen wir nun in einem Söldnerposten arabische Einheiten rekrutieren. Im Gegensatz zu normalen Truppen müssen wir für diese keine Ausrüstung bereitstellen, wir kaufen sie einfach mit Gold. Da man in der Regel mit einem nicht unerheblichen Geldvorrat startet, können wir kurz nach Spielbeginn bereits Einheiten ausbilden und Richtung Gegner schicken. Ab der ersten Minute entstehen bereits Kämpfe, was uns kontinuierlich unter Druck setzt.


Im Söldnerposten können wir sieben neue Einheiten gegen Gold rekrutieren.

Neben Standardeinheiten wie Bogenschützen und Schwertkämpfern finden sich unter den insgesamt sieben arabischen Truppen auch noch einige Neuzugänge. Diese warten mit einigen wirklich spannenden Fähigkeiten auf: Meuchelmörder erklimmen mit ihrem Seil unbemerkt Burgmauern, Sklaven können feindliche Gebäude anzünden. Diese Feuer breiten sich dann innerhalb einer Siedlung aus, weshalb jeder kluge Burgherr stets Wasserkessel zum Löschen aufstellen sollte. Crusader kommt mit vier Spielmodi daher: »Burgenbau« eignet sich für friedliebende Naturen, die einfach nur die Festung ihrer Träume errichten wollen.

Außerdem können wir vier historische Kampagnen mit jeweils fünf Missionen bestreiten. Mit diesem Modus hatte ich mit Abstand am meisten Spaß, was aber nicht viel heißen muss – dazu gleich mehr. Das Problem mit der Kampagne ist, dass sie letztendlich extrem beliebig ist. Den historischen Unterbau hat man schnell wieder vergessen, eine »richtige« Geschichte mit ausgearbeiteten Figuren und Zwischensequenzen wie im ersten Stronghold gibt es nicht mehr. Dennoch: Die Missionen sind abwechslungsreich genug, dass ich die Kampagne immerhin zweimal durchgespielt habe.

Mein Problem mit Stronghold: Crusader

Weniger gelungen ist hingegen der dritte Modus, die sogenannten »Kreuzzüge«. Dabei handelt es sich um reguläre Gefechte gegen die KI, die wir nacheinander abarbeiten. Der Anspruch wächst hierbei kontinuierlich, zum Beispiel durch eine größere Anzahl von Widersachern. Das Problem: In den Kreuzzugs-Missionen machen wir jedes Mal (mit kleinen Unterschieden) dasselbe, was vor allem für Story-Fans wie mich schnell langweilig wird. Und es gibt insgesamt 80 dieser Missionen im Spiel. 80! Für diese Rezension habe ich dementsprechend auch nur ein paar dieser Kreuzzüge abgeschlossen. So toll die grundsätzliche Spielmechanik auch nach wie vor ist, kommt es mir wie massive Zeitverschwendung vor, sich durch alle 80 Kreuzzüge zu kämpfen.


In einer Mission der Kampagne müssen wir die Kathedrale (oben links) einer feindlichen Stadt gezielt zerstören.

Das ist dann auch mein größter Kritikpunkt: Es bietet zu wenig echte Substanz für Einzelspieler-Fans wie mich. Crusader legt stattdessen deutlich mehr Wert auf seinen Mehrspielermodus. Wer gerne kompetitiv im Multiplayer spielt, wird hier auch seine helle Freude haben, vor allem aufgrund des erhöhten Spieltempos durch die arabischen Einheiten. Auf meiner Liste von Dingen, die mich nicht interessieren, steht »Multiplayer in Echtzeitstrategiespielen« aber ganz oben. Insofern ist das auch nicht wirklich ein Pluspunkt für mich. Dazu kommt noch, dass ich mit dem Wüsten-Setting schlicht und ergreifend nicht viel anfangen kann. Gelb-braune Burgen auf gelb-braunem Untergrund zu errichten – das sieht langweilig aus. Auch der Soundtrack wurde um neue Stücke ergänzt, die aber keine solch idyllische Atmosphäre erzeugen, wie es im Ur-Stronghold noch der Fall war.

Fazit

Neue Einheiten hin, spaßige Mehrspieler-Schlachten her: Von einem Strategiespiel erwarte ich eine anständige Kampagne und in dieser Hinsicht ist Crusader ein gewaltiger Rückschritt. Davon abgesehen wird die Präsentation durch das Wüsten-Setting eintöniger und auch der Soundtrack ist deutlich durchwachsener. Crusader hat viele Fans, aber ich bin keiner davon.

Gespielte Version: HD Edition 1.41 – Plattform: Steam

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